Juni 2026 | Ausgabe 18

Juni 2026 | Ausgabe 18

von Miriam Grabarits | Technische Universität Darmstadt

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum 18. Newsletter der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik! Die Temperaturen steigen, das Semester und Schuljahr neigen sich hurtig dem Ende zu – höchste Zeit also für eine kleine inspirierende Newsletter-Pause. Schnappen Sie sich ein kühles Getränk, lehnen Sie sich zurück und entdecken Sie mit uns neue Impulse, Ideen und Perspektiven aus der Welt der Geschichtsdidaktik!

Was Sie in diesem Newsletter erwartet:

  • Aktuelles: 3 Jahre Newsletter!🎂, Stellungnahme der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD), Bericht zur 35. Coffee Lecture am 8. Mai 2026, LUPE
  • Kennen Sie schon?: ... das OER-Angebot "Spiele im Geschichtsunterricht" aus der Nordwestschweiz?
  • Lektüre-Empfehlung: Dissertation von Philipp McLean (2023): "Mündigkeit in der historischen Bildung. Eine Untersuchung über Gründe, sich kritisch mit Geschichte zu befassen"
💡 Übrigens: Wenn Sie ab jetzt keinen Newsletter mehr verpassen wollen, schreiben Sie uns eine E-Mail und wir nehmen Sie in den E-Mail-Verteiler der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik auf! Die Kontaktdaten finden Sie am Ende des Newsletters.
  • Ein Grund zum Feiern: 3 Jahre Newsletter der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik!

Wir freuen uns, mit dem 18. Newsletter auch das dritte Jahr Newsletter der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik "voll" machen zu können! Im Juni 2023 kam der erste Newsletter heraus, schauen Sie doch nochmal in die erste Ausgabe, in der wir das neue Format der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik vorgestellt haben! 💐🎂☕

  • Stellungnahme der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD): Solidarität mit Prof.' Christina Brüning (Philipps-Universität Marburg)

Angriffe und Einschüchterungsversuche gegen Wissenschaftler dürfen nicht unbeantwortet bleiben. Die KGD hat daher zum Fall der Bedrohung von Prof. Dr. Christina Brüning (Marburg) Stellung bezogen. Aus Solidarität mit Frau Brüning schließen wir uns diesem Anliegen an und veröffentlichen die Stellungnahme im Folgenden:

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, berichtete die Hessenschau über gezielte Anfeindungen, Aufrufe zu Gewalt und sogar Morddrohungen gegen Prof.' Christina Brüning, Professorin für Geschichtsdidaktik an der Philipps‑Universität Marburg. Diese Drohungen verurteilen wir ausdrücklich als völlig inakzeptabel.

Kontroverse Debatten und die kritische Auseinandersetzung mit Macht‑ und Gewaltverhältnissen sind ein unverzichtbarer Teil wissenschaftlicher Praxis. Einschüchterungen, Bedrohungen und persönliche Angriffe haben keinen Platz in der Hochschullandschaft. Forschung und Lehre müssen frei von Angst und Repression stattfinden können.

Machtkritische, antisemitismuskritische und postkoloniale Perspektiven – wie sie Prof.' Brüning in ihrer Arbeit verfolgt – sind zentrale Bestandteile wissenschaftlicher Reflexion und demokratischer Bildung.

Wir stehen fest an der Seite von Prof.' Christina Brüning und ihrer Arbeitsgruppe und bekräftigen unser Engagement für ein respektvolles, offenes und sicher­es akademisches Umfeld.

Über den Fall wurde ausführlich von der Hessenschau berichtet.

  • Bericht zur 35. Coffee Lecture am 8. Mai 2026 mit Dr. Ece Kaya (Projektteam „Better Together!“) und Kiril Denisov (Bildungsstätte Anne Frank)

Am 8. Mai fand der Workshop „Von der Geschichte bis zur Gegenwart: Antisemitismus im Schulkontext verstehen, erkennen und handeln“ in Kooperation mit dem TU-Projekt „Better Together!“ und der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt) statt. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden historische und aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus beleuchtet sowie Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten für Schule und Unterricht andiskutiert.

Der Workshop machte deutlich, wie präsent und zugleich vielschichtig Antisemitismus auch heute noch ist – und wie wichtig es für (angehende) Lehrkräfte ist, entsprechende Strukturen und Symbole erkennen, einordnen und ihnen pädagogisch fundiert begegnen zu können. Besonders die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen im gesellschaftlichen sowie schulischen Kontext und in den sozialen Medien unterstrich die Dringlichkeit des Themas.

Die Veranstaltung, die nicht nur von vielen Studierenden, sondern auch zahlreichen Lehrkräften besucht wurde, bot wertvolle Einblicke und wichtige Denkanstöße für die eigene spätere Berufspraxis. Für die fachkundige Gestaltung des Workshops und die zahlreichen Impulse möchten wir der Workshopleitung herzlich danken!

  • Eröffnung von LUPE | Labor für Unterrichtsentwicklung, Planspiele und Exchange

Das Team der Geschichtsdidaktik nahm am 18. Juni an der feierlichen Eröffnung von LUPE teil, das an der TU Darmstadt zukünftig als "lebendiger Knotenpunkt für Studierende, Forschende und Lehrkräfte" fungieren soll, um die Professionalisierung der Studierenden zu unterstützen. Hierbei wird auch die Planspiel-Expertise der Schulpädagogik integriert, die bereits produktiv in Kooperation mit der Geschichtsdidaktik umgesetzt wurde (siehe Newsletter 7 und 8).

Im Sommersemester 2026 ist LUPE jeden Mittwoch von 14:25 bis 16:05 Uhr geöffnet. In dieser Zeit kann der Raum zum gemeinsamen Arbeiten, zur Unterrichtsplanung sowie zur Nutzung der vorhandenen Materialien und Angebote besucht werden.

Pädagogische Fachberatungen des Arbeitsbereichs Schulpädagogik, bspw. zur Unterstützung der Unterrichtsplanung während des Schulpraktikums, finden an folgenden Terminen jeweils von 15:00 bis 16:30 Uhr statt:

Donnerstag, 20. August 2026
Donnerstag, 3. September 2026
Donnerstag, 17. September 2026
Donnerstag, 8. Oktober 2026

💡Kennen Sie jemanden, der/die unbedingt einmal in einer unserer Lectures vorbeikommen sollte? Wissen Sie, was in Darmstadt so los ist? Schreiben Sie uns! Wir haben für Ihre Vorschläge weiterhin ein offenes Ohr!

... das OER-Angebot "Spiele im Geschichtsunterricht" aus der Nordwestschweiz? Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Spieleideen für den Geschichtsunterricht, die von Studierenden entwickelt wurden. Die Materialien und Spielideen stehen unentgeltlich sowie digital als Open Educationel Resources (OER) zum Download zur Verfügung. Es gibt sowohl Spielideen für kürzere als auch längere Unterrichtssequenzen, zudem aus unterschiedlichen Perspektiven (Staat, Presse, Persönliches). Außerdem wurden verschiedene Zeitabschnitte und inhaltliche Themen aufgegriffen, bspw.: Industrialisierung und Kolonialismus, Auswanderung um 1850, Zeitungskommentare vorbereiten, Streiken usw.

Hilfreich ist auch eine Anleitung zur Konstruktion von Spielanlagen, falls Sie selbst einmal ein eigenes Spiel entwickeln wollen!
Wir empfehlen außerdem den Klassiker zur Lektüre: Markus Bernhardt: Das Spiel im Geschichtsunterricht (2018/3. Aufl.)

Cover des Titels "Das Spiel im Geschichtsunterricht" (2018) |
Bild-URL: https://www.wochenschau-verlag.de/Das-Spiel-im-Geschichtsunterricht/40622
💡Sie kennen sich bestens im digitalen Geschichtsunterricht aus und haben ein Tool, das Ihre Unterrichtspraxis verbessert? Sie haben einen Geheimtipp zu digitalen Quellensammlungen und Co.? Dann schreiben Sie uns! Wir probieren gern Neues aus und könnten Ihr Wissen über den Verteiler auch an Kolleg:innen und Kommiliton:innen weitergeben! 

Wichtig: Wir stellen hier im Newsletter verschiedene Plattformen, Tools und Apps vor, tun dies aber unentgeltlich und stehen in keiner Form in Kontakt zu den anbietenden Unternehmen oder Entwickler:innen!

Dient historische Bildung dazu, dass wir uns in der gegebenen Gesellschaft zurechtfinden, oder dazu, dass wir sie herausfordern und anders gestalten? Warum sollen Schüler:innen Geschichte lernen? Schon Klaus Bergmann fokussierte diese Frage im ersten Heft der 1976 neu erschienenen Zeitschrift "Geschichtsdidaktik", die aus disziplingeschichtlicher Perspektive enorm dazu beigetragen hat, den Charakter der geschichtsdidaktischen Forschung zu verändern. Nicht selten fällt die Antwort mit dem Begriff der "Mündigkeit" zusammen, insofern es gilt, der Geschichtsunterricht trage zur Ausbildung "mündiger Bürgerinnen und Bürgern" bei.

Wenn es im Geschichtsunterricht um das Ziel der Mündigkeit geht, klingt das oft nach einem feststehenden Begriff, der als solcher gar nicht hinterfragt werden muss. Doch was bedeutet „Mündigkeit" im Kontext unserer historischen Deutungen wirklich? Und wird sie im Unterricht gefördert oder eher als bloße Aneignung von Fakten verstanden? In seiner Dissertation widmet sich Philipp McLean dem Konzept der Mündigkeit. Er zeigt durch eine umfassende begriffsgeschichtliche Analyse und Diskursanalyse von Beiträgen aus Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft, dass der Begriff der Mündigkeit in vielen aktuellen Debatten über Ziele des Geschichtsunterrichts nur am Rande erscheint. Exemplarisch nimmt er hierbei die Diskussion um die Einführung des Hessischen Kerncurriculums in den 2010er-Jahren zur Untersuchungsgrundlage. Gleichzeitig knüpft er bewusst an Diskussionen der 1970er Jahre, bspw. über die Autor:innen der Zeitschrift "Geschichtsdidaktik" angeregt, an, die oft als „abgehakt" galten.

Cover des Buches "Mündigkeit in der historischen Bildung" (2023) |
Bild-URL: https://www.wochenschau-verlag.de/media/c3/1c/57/1677760072/9783734415586.jpg

McLean identifiziert über die Diskursanalyse zwar einen allgemeinen Konsens darüber, dass historische Orientierung und Kompetenzförderung wichtig sind. Doch die eigentliche Spannung läge darin, ob Schüler:nnen dazu angeleitet würden, die Welt so zu nehmen, wie sie ist, oder sie aktiv zu hinterfragen und zu verändern. Er plädiert dafür, nicht bei der Vermittlung von Fachinhalten und historischen Methoden stehen zu bleiben. Stattdessen soll historisches Lernen dazu führen, dass Lernende ihre eigene Position in gesellschaftlichen Machtverhältnissen reflektieren und Strategien zur Mitgestaltung entwickeln. Damit knüpft er an die Kritische Theorie und die Emanzipatorische Pädagogik an: Sein Begriff und Konzept von Mündigkeit, das er im dritten Teil der Dissertation entwickelt, ist ein emanzipatorischer/s.

Dieses Buch ist damit weniger ein Methodik-Ratgeber, sondern vielmehr eine philosophisch fundierte Grundlagenschrift, die den Mut fordert, den Geschichtsunterricht noch stärker als Ort der Demokratiebildung zu verstehen. Es regt uns Lehrer:innen an, unser eigenes Lehrkonzept zu hinterfragen: Fördern wir vor allem Anpassung oder kritisches Nachdenken? Für alle, die den Geschichtsunterricht als Beitrag zur demokratischen Zukunftsvorsorge verstehen wollen, ist McLeans Analyse daher eine wichtige Inspiration und liefert in einer Zeit, in der historische Narrative oft politisch instrumentalisiert werden, eine notwendige theoretische Stütze für jede Geschichtslehrkraft.

*Ausführliche Rezensionen zum Buch, in denen bspw. nochmal expliziter auf das Studiendesign eingegangen wird, finden Sie bei sehepunkte und HSozKult.*

💡 Verschaffen Sie sich doch selbst einen Eindruck von "Mündigkeit in der historischen Bildung" (2023) und lassen Sie uns wissen, was Ihnen aufgefallen ist oder wo Sie Fragen haben!

Damit kommen wir zum Ende unseres 18. Newsletters der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik. Wir hoffen, Sie konnten ein paar wertvolle Impulse für Ihre Arbeit oder Ihr Studium mitnehmen und freuen uns, Sie auch zur nächsten Ausgabe als Leser:in begrüßen zu dürfen! Bei Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. Nutzen Sie gern die untenstehenden Kontaktdaten, um sich mit uns in Verbindung zu setzen. 

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Team der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik! 

Sie haben noch Fragen oder Anregungen? Setzen Sie sich gern mit uns in Kontakt! 

Ansprechpartnerin: Miriam Grabarits 
E-Mail: miriam.grabarits@tu-darmstadt.de 

Besuchen Sie uns auch auf unserer Webseite: 
Webseite des Arbeitsgebiets Geschichtsdidaktik: https://kurzelinks.de/iawy 

Folgen Sie uns auf: 
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