Oktober 2025 | Ausgabe 14

Oktober 2025 | Ausgabe 14

von Miriam Grabarits | Technische Universität Darmstadt

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum 14. Newsletter der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik! ✨Mit dem Oktober-Newsletter begrüßen wir Sie im Wintersemester 2025/26 und hoffen, Sie konnten die vorlesungsfreie Zeit sowohl produktiv als auch zur Erholung nutzen. Um ganz in Ruhe anzukommen, ohne vom Stress der ersten Semesterwochen mitgerissen zu werden: Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich vom Newsletter inspirieren!

Was Sie in diesem Newsletter erwartet: 

  • Aktuelles: Veranstaltungshinweise
  • Kennen Sie schon...?: ... Ariadne? Das Frauen- und Genderspezifische Wissensportal, über dessen Datenbank Biografien, Vereinsprofile und Dokumente zur Frauenbewegung (1848-1938) aus der Österreichischen Nationalbibliothek zugänglich gemacht werden – die auch Ihren Quellenfundus erweitern können!
  • Lektüre-Empfehlung: ... Wie verändern sich Geschichtskultur und Narrationen im digitalen Zeitalter? Wir stellen "Historisches Erzählen in Digitalien" (2024) vor – ein feministisches Buchprojekt im Open Access!
💡 Übrigens: Wenn Sie ab jetzt keinen Newsletter mehr verpassen wollen, schreiben Sie uns eine E-Mail und wir nehmen Sie in den E-Mail-Verteiler der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik auf! Die Kontaktdaten finden Sie am Ende des Newsletters.
  • Queere Online-Ringvorlesung im Wintersemester 2025/26 an der IU Internationale Hochschule: "Perspektiven aus Politik und Praxis im Kontext Queerer Lebensrealitäten"
    Die Ringvorlesung findet immer online von 18:00-19:30 Uhr statt. Wir wollen Sie vor allem auf den Vortrag am 4. November 2025 von Anna Hájková aufmerksam machen: "Menschen ohne Geschichte sind staub. Queeres Verlangen im Holocaust"
    Link zur Teilnahme: https://iubh.zoom.us/j/65908802112
  • Vortrag und Workshop vom Erziehungswissenschaftlichen Netzwerk: Diskursintervention Rechtsaußen (EN:DIRA) in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen zum Thema "Neutralitätsgebot in der Bildungsarbeit" | 10.-11. Oktober 2025
    Freitag, den 10. Oktober 2025, um 18.00 Uhr | Online-Vortrag
    Samstag, den 11. Oktober 2025, von 10.00 bis 13.00 Uhr | Online-Workshop
    Beide Veranstaltungen sind kostenfrei.
    Die Anmeldung zur Veranstaltung erfolgt per Mail an:
    endira@posteo.de
    (Die Zoom-Links für den Vortrag und den Workshop werden eine Woche vor der Veranstaltung verschickt.) Einzelanmeldungen (nur Vortrag oder Workshop) sind möglich.
  • Vortrag von Jörg Ganzenmüller: "Die DDR im Unterricht – Welche geschichtskulturellen Einordnungen gibt es?" | online/28. Oktober 2025 | 15:00-16:30 Uhr
    Der Termin ist Teil der Fortbildungsreihe »Die DDR im Unterricht – zwischen Mythos, Ostalgie und politischer Instrumentalisierung«. Was wissen Jugendliche über die SBZ/DDR und die SED-Diktatur? Was kann Mythen, Fake Facts und verharmlosende Deutungen entgegengesetzt werden? Wie gehen Jugendliche mit gegensätzlichen Informationen aus Familienerinnerungen, sozialen Medien und schulischer Wissensvermittlung um? Die Fortbildungsreihe lädt zur Auseinandersetzung mit diesen Themen ein.
    Anmeldungen beim Thillm mit der Nummer: 593680202 oder unter: service@stiftung-ettersberg.de
  • Institut für Stadtgeschichte Frankfurt: Online-Fortbildung zum Thema Lernort Archiv 
    “Ihnen allen, die mit der Vermittlung von Geschichte betraut sind, präsentieren wir im bequemen Online-Format aktuelle und grundsätzliche Angebote der Archivpädagogik.”
    Mittwoch 29.10.2025 von 15:00 bis 18:00 

    Anmeldung für den Zugangslink bitte an: archivpaedagogik@stadt-frankfurt.de 
    Vgl. auch die Dauerangebote für Schulklassen und mehr: https://www.stadtgeschichte-ffm.de/de/veranstaltungen/schule-kinder-und-archiv 
💡Kennen Sie jemanden, der/die unbedingt einmal in einer unserer Lectures vorbeikommen sollte? Wissen Sie, was in Darmstadt so los ist? Schreiben Sie uns! Wir haben für Ihre Vorschläge weiterhin ein offenes Ohr!

... Ariadne? Als "roter Faden durch das Labyrinth der Frauen- und Geschlechtergeschichte" (Kurzvorstellung der Plattform) für die Habsburgermonarchie (Zeitraum 1848-1938) versteht sich das Webportal, das wir Ihnen in diesem Newsletter vorstellen wollen. Seit über 30 Jahren wird hier feministische Literatur gesammelt und dokumentiert, werden relevante Quellen im historischen Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek aufbereitet und digital zugänglich gemacht.

Was Sie genau in der Datenbank "Frauen in Bewegung 1848-1938" finden werden, wird auf der Webseite treffend beschrieben: "Die Struktur der Online-Dokumentation folgt Kategorien der Frauenbewegungsgeschichtsschreibung: Personen, Frauenvereine/–organisationen und Dokumente. Die inhaltliche Aufarbeitung der Dokumente findet ihren Niederschlag in der Sammlung von historischen Daten zu Personen und Frauenorganisationen, sowie biographischen Porträts und Vereinsprofilen. Zu Personen werden biographische Eckdaten präsentiert und es wird dargestellt, in welchen frauenrelevanten und –politischen Zusammenhängen diese tätig waren. Neben einer Kurzbiographie finden sich auch Hinweise auf Materialien – Bestandsnachweise von Publikationen, Sekundärliteratur, Archivmaterialien und Bilddokumenten –, die von und über die betreffende Person erhoben wurden. Daten und Informationen zu Frauenorganisationen wurden in ähnlicher Weise aufbereitet. Online-Dokumente führen zu Digitalisaten von historischen Dokumenten aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek." (Informationen zum Projekt) Auch die Auswahlkriterien für die Aufnahme von Einträgen in die Datenbank werden transparent gemacht.

Titelblatt der humoristischen Wochenschrift "Die Muskete", Ausgabe vom 15. August 1907, Karikatur von Alexander Wilke | Teil der Online-Ausstellung "Die Blattmacherinnen" von Ariadne |
Bild-URL: https://ausstellung.onb.ac.at/fileadmin/_processed_/7/2/csm_Karikatur_Leitartikel_ONB_mus_19070815_Page_01_bca1870121.jpg

Aktuell gibt es eine Online-Ausstellung zu Journalistinnen um 1900, bei der exemplarische Biografien weiblicher "Blattmacherinnen" der Medienmetropole Wien, die um die Jahrhundertwende deutlich männlich geprägt war, porträtiert werden: Die bürgerliche Frauenrechtsaktivistin Marie Lang, die Sozialdemokratin Adelheid Popp, die katholische Publizistin Hanny Brentano und die Modeschriftstellerin Fanny Burckhard. Gerade die Betätigung als Journalistinnen in der politischen Arena galt für Frauen damals als verpönt, was aber nicht heißt, dass sie kein Teil des journalistischen Betriebs waren – unter (männlichem) Pseudonym oder Kürzel schrieben Frauen oder gaben eigene Zeitungen heraus. Eine einzigartige Quelle, die die Vielfalt weiblicher Schriftstellerinnen widerspiegelt, ist das "Lexikon deutscher Frauen der Feder" von Sophie Pataky aus dem Jahr 1898. Dort führt sie auch zahlreiche Frauen mit ihren jeweiligen Pseudonymen auf, die für Zeitungen und Zeitschriften publizistisch tätig waren (2 Bände, Verzeichnis der Pseudonyme in Bd. 2).

Wir laden Sie ein, ein bisschen zu stöbern und sich in den digitalen Dokumenten der Datenbank zu verlieren! Als Hinweis, wie mit Digitalisaten gearbeitet werden kann (und sollte), sowohl von Lehrenden- als auch Lernenden-Seite, verweisen wir auf den Beitrag von Jessica Kreutz: Historisches Lehren und Lernen mit digitalisierten Quellen. Zum Potenzial der Historischen Grundwissenschaften in der Lehrerbildung (Version 2, 14.11.2022). Berichten Sie uns gern von Ihren Erfahrungen im Umgang mit der Plattform, spannenden Quellenfunden oder Wegen aus dem Labyrinth!

💡Sie kennen sich bestens im digitalen Geschichtsunterricht aus und haben ein Tool, das Ihre Unterrichtspraxis verbessert? Sie haben einen Geheimtipp zu digitalen Quellensammlungen und Co.? Dann schreiben Sie uns! Wir probieren gern Neues aus und könnten Ihr Wissen über den Verteiler auch an Kolleg:innen und Kommiliton:innen weitergeben! 

Wichtig: Wir stellen hier im Newsletter verschiedene Plattformen, Tools und Apps vor, tun dies aber unentgeltlich und stehen in keiner Form in Kontakt zu den anbietenden Unternehmen oder Entwickler:innen!

»Das Buch [überzeugt] zum einen aufgrund der gemeinsamen Fragestellung, der alle Beiträge kohärent nachgehen, zum anderen wegen der reflektierten und differenzierten Einblicke in verschiedene Medien(-plattformen), Quellengattungen sowie Methoden und Praktiken der Digital Humanities. Das macht den Band zu einer gewinnbringenden Lektüre für ein breites Publikum.« Ricarda Singh, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 3 (2025)

Cover des Buches "Historisches Erzählen in Digitalien", hg. von Christina Brüning und Alexandra Krebs (2024)| Grafik-URL: https://www.transcript-verlag.de/media/image/fd/a6/23/9783837675535EEKLJHmjRcxdK_1280x1280.jpg

... falls Sie sich gerade vor allem fragen: Was ist denn dieses "Digitalien"? Hierzu nehmen die Herausgeberinnen des Bandes "Historisches Erzählen in Digitalien. Theoretische Reflexionen und empirische Beobachtungen" (2024), Christina Brüning und Alexandra Krebs, konkret Stellung und helfen der Leserschaft mit einer Arbeitsdefinition (S. 11) weiter. Für sie sei Digitalien "der Zustand, in dem digitale Technologien omnipräsent das Leben der Menschen durchdringen, teilweise auch ohne dass wir die Grenzen zwischen dem Hier und Jetzt und dem digitalen Raum bzw. dem authentischen Interagieren und der Interaktion zwischen Mensch und Maschine noch wahrnehmen oder beachten" (S.17f.). Gewählt hätten sie diesen Begriff "aufgrund seines integrativen und übergreifenden Charakters", um die "vielfältigen Beiträge und Perspektiven" (S. 18) des Sammelbandes fassen zu können. Weiterhin erläutern sie grundlegende Begriffe des gegenwärtigen Digitalitäts-Diskurses wie Digitalität, Digital Past oder Postdigitalität in einem vorangestellten Glossar – wer sich hier also einmal grundlegend verorten will, wird aufmerksam an die Hand genommen und in die folgenden Beiträge begleitet.

Sobald es dann um die einzelnen Beiträge der Autor:innen geht, trifft man auf durchweg anschauliche Beispiele, wie narrative Kompetenz für die Geschichtskultur und das Historische Lernen im Digitalen (bzw. in Digitalien) aussehen könnte (S.21). Allen gemeinsam sei die Verfolgung der Fragestellung: "Inwieweit verändert sich historisches Lernen bzw. historisches Erzählen, wenn es 'in Digitalien' passiert?" (S. 10). Dabei findet der bereits vielbesprochene Instagram-Account @ichbinsophiescholl ebenso wie der etwas weniger bekannte @nichtsophiescholl eine ausführliche Darstellung, begleitet von einem Aufsatz über die Algorithmizität sozialer Medien. Thematisch stärker im Fokus stehen über die Beiträge hinweg immer wieder Erinnerungskultur und Holocaust-Education, was den Band auch unter diesem Aspekt lesenswert macht. Hierbei werden geschichtsrevisionistische Deutungsmuster im Kontext (neu-)rechter Erzählungen aufgegriffen und analysiert, empirische Erhebungen zum Umgang mit interaktiven digitalen Zeitzeugnissen zur Diskussion gestellt und grundsätzliche Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit digitalisierten Quellenbeständen ausgelotet. Spannend ist der etwas ungewöhnliche Abschluss dieses feministischen (S. 10/Fußnote 5) Buchprojektes: Alle Autor:innen fanden sich nach Abschluss des Projektes noch einmal gemeinschaftlich zusammen, um zukünftige Forschungsfragen sowie -perspektiven zu diskutieren. Einen Einblick in diesen Austausch erhalten die Leser:innen nun über das letzte Kapitel "Aktuelle Entwicklungen".

Und ganz im Geiste des kollaborativen Austauschs: Das Buch sowie Einzelbeiträge sind per Open Access allen interessierten Leser:innen zugänglich, d. h. Sie können sich ganz einfach und schnell einen eigenen Eindruck verschaffen!

💡 Verschaffen Sie sich doch selbst einen Eindruck von "Historisches Erzählen in Digitalien" (2024) und lassen Sie uns wissen, was Ihnen aufgefallen ist oder wo Sie Fragen haben!

Damit kommen wir zum Ende unseres 14. Newsletters der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik. Wir hoffen, Sie konnten ein paar wertvolle Impulse für Ihre Arbeit oder Ihr Studium mitnehmen und freuen uns, Sie auch zur nächsten Ausgabe als Leser:in begrüßen zu dürfen! Bei Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. Nutzen Sie gern die untenstehenden Kontaktdaten, um sich mit uns in Verbindung zu setzen. 

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Team der Coffee Lectures Geschichtsdidaktik! 

Sie haben noch Fragen oder Anregungen? Setzen Sie sich gern mit uns in Kontakt! 

Ansprechpartnerin: Miriam Grabarits 
E-Mail: miriam.grabarits@tu-darmstadt.de 

Besuchen Sie uns auch auf unserer Webseite: 
Webseite des Arbeitsgebiets Geschichtsdidaktik: https://kurzelinks.de/iawy 

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