Bürokratische Einreise

Bürokratische Einreise

Rogi

Pfuh, mein letzter Blogeintrag liegt wirklich was länger zurück. Aber nicht, dass ihr denkt, ich hätte meinen Informations- und Dokumentationsauftrag rund um die internationale Konferenz der Wikimedia-Bewegung dieses Jahr in Südafrika vergessen. Nein, nein! Nur lag einiges dazwischen, was mich hier vom eintippen meiner Erfahrungen abhält. Aber jetzt sitze ich hier im überaus geräumigen Innenhof des „A&O Hostels Berlin Friedrichshain“ und habe noch Zeit bis zum Frühstück. Also dann: viel Spaß mit Kapitel Zwei dieses Reiseblogs.

Wikimania-Logo. Blanca Flores, Wikimedia Foundation (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WM18_metapage_Logo.svg), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Worum gehts? Die Wikimania ist die internationale Konferenz der gesamten Wikimedia-Bewegung. Aus allen Ländern der Welt treffen sich Teilnehmer jährlich in einem anderen Land um Themen, wie freies Wissen, Zugänglichkeit von Wissen, Zukunft des Internets und so weiter zu diskutieren. Mehr habe ich dazu in meinem letzten Blogeintrag gesagt.

Wer bin ich? Ich bin der Rogi. Das ist natürlich nur ein Pseudonym, aber ich benutze es gerne, wenn es um Aktivitäten im Internet geht. Warum? Weil es eine Trennung zwischen meiner privaten Person (Schüler, Sohn, Mitarbeiter) und meinem Online-Avatar (Wissenssammler, Freiwilliger, Auf-Recht-Besteher) zulässt. Wenn ich das versuche, den Leuten zu erklären, ernte ich meistens nur ziemlich viele merkwürdige Blicke, aber da hab ich mich mittlerweile dran gewöhnt. Vielleicht verstehst du, lieber Leser, es ja.

So sehe ich aus. Foto: Manfred Werner – User:Tsui (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rogi_2016.jpg), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Wer schon mal nach Südafrika einreisen wollte, wird wissen, dass das für uns Schengen-verwöhnte Europäer leider nicht so einfach ist. Auch als Erwachsener muss man eine Vielzahl an Dokumenten vorlegen, um am sogenannten „Port of Entry“ ein temporäres Visum zu erhalten. Noch komplizierter wird es, wenn man mit Kindern reist: eine ungekürzte, internationale Geburtsurkunde muss her, die beweist, dass das vor dem Grenzbeamten stehende Kind tatsächlich das Kind dieser beiden Erwachsenen ist. Haben die Eltern den bösen Fehler gemacht, sich zu scheiden oder nur ein Elternteil macht Urlaub mit dem Kind muss schon beglaubigte Einverständniserklärung her, die es dem anderen Elternteil erlaubt, mit dem Kind einzureisen. Und dann gibt es noch so bekloppte Menschen, wie mich, die versuchen, minderjährig und ohne die Begleitung meiner Eltern einzureisen. Was für ein bürokratischer Horror.

Denn auch, wenn die Südafrikanische Botschaft in Berlin einige Hilfen zum Thema „Einreise“ über ihre Website vermittelt, ist man leider bei weiteren Nachfragen relativ aufgeschmissen. Auf eMail-Nachfrage bekommt man dann eine Standardantwort, die einem nochmal die Informationen, die auch auf der Website stehen, wiedergibt. Aber egal: ich versuche mal Licht ins Dunkel zu bringen.

Um als unbegleiteter minderjähriger Reisender ein Kurzvisum vor Ort zu erhalten, muss ein sogenanntes „Affidavit“ (eine eidesstattliche Erklärung) der Eltern vorgelegt werden. Diese muss sämtliche persönliche Details meiner Erziehungsberechtigten, der Person, die mich dort beaufsichtigt und meiner Person enthalten. Dazu kommen Passkopien der entsprechenden Personen, meine Geburtsurkunde und beglaubigte Unterschriften meiner Eltern. Diese dürfen natürlich nicht von irgendwem beglaubigt werden (hach, hätte ich das mal im Bürgeramt gemacht), sondern müssen entweder von der südafrikanischen Botschaft oder von einem Notar beglaubigt werden. Wir haben uns für die Hardcore-Variante entschieden: die Signatur meiner Mutter wurde in Berlin beglaubigt, die meines Vaters in Düsseldorf beim Notar.

Soweit die theoretische Version. Was ist aber mit unserem Fall, wo die Person, die mich empfängt, selbst nicht da wohnt, sondern getrennt von mir einreist und auch erst vor Ort ein Visum erhält? Was, wenn die Kopien der Pässe auch beglaubigt werden müssen, wie es manche nicht-offiziellen Quellen andeuten? Was geschieht, wenn der Grenzbeamte vor Ort noch Fragen hat und die Kontaktmöglichkeiten meiner Eltern oder meiner Aufsicht nicht funktionieren. Fragen über Fragen.

Ich will mir wirklich nicht vorstellen, wie das zur Fußball-WM 2010 gewesen sein muss, als Millionen von ausländischen Gästen angereist sind und wahrscheinlich wesentlich weniger Zeit mit dem Studium der einschlägigen Vorschriften verbracht haben.

Verwirrende Bürokratie. Screenshot aus „Brazil“ von Terry Gilliam. © 1985

Und das ist auch so ein wenig der Gedanken, mit dem ich mich vor den ganzen Unbekannten dieser Reise schütze: es reisen jeden Tag so viele Menschen nach Südafrika ein. Bei so vielen wird es unsaubere Stellen im Wust von Formularen geben und trotzdem werden die nicht an der Grenze abgewiesen und nach Hause geschickt. Warum sollte das also jetzt anders werden? Alles was wir machen können, ist, uns bestmöglich vorzubereiten. Alles weitere sehen wir dann vor Ort. Natürlich halte ich euch darüber auf dem Laufenden. Bleibt also gespannt, wie es weitergeht!

Zum Abschluss dieses Posts würde ich mich freuen, wenn Ihr mir ein kleines Feedback da lasst. Schreibt einfach gerne bei Twitter oder sonst wo darüber, schreibt mir direkt via Telegram oder hinterlasst mir eine Nachricht über meine Diskussionsseite in der Wikipedia! Ich freue mich drauf!


Bis dahin,


Rogi


Inhalt verfügbar unter CC-BY 3.0. Namensnennung Rogi Lensing.