seikeindani

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Ende August 2023 machte SRF mehrere sexuelle Übergriffe durch einen Journalisten der Republik bekannt. Der Name des Journalisten wurde nie genannt. Eine öffentliche Diskussion blieb weitgehend aus oder beschränkte sich auf Nebenschauplätze («see only»-Klausel). Wir wollen das ohrenbetäubende Schweigen unserer linken Bubble zur sexualisierten Gewalt des «Starreporters» Daniel Ryser beenden. Und davon ausgehend auch das strukturelle Problem, welches solche Taten ermöglicht - fördert - belohnt, in den Mittelpunkt stellen und eine Diskussion anstossen. Ohne Druck tun wir alle offenbar nicht einmal das Nötigste. Lasst uns das ändern!

 Das Öffentlichmachen von Tätern (Maskulinum, denn 96 Prozent der Täter sind männlich sozialisierte Personen) und deren Taten ist nötig: 

  • um weitere Übergriffe zu verhindern, 
  • um Betroffenen zu zeigen, wir glauben euch und ihr seid nicht allein, 
  • um dem Täter und seinem solidarischen Umfeld zu signalisieren, dass dieses Verhalten bei uns nicht still geduldet wird,
  • um Schutzraum einzufordern, weil das Schweigen und der Täterschutz auch verhindern, strukturelle Probleme zu benennen und zu begreifen, dass es eine politische Debatte ist, die WIR als Linke führen müssen.


 Dass es mit dem «Feminismus» linker Männer oft nicht weit her ist, zeigt der Täter auf dem Bild gleich selbst: Anlässlich des feministischen Streiks von 2019 fiel ihm nur ein (offensichtlich nicht eingehaltener) Vorsatz und ein hastig formulierter Verweis auf die Denkarbeit anderer ein. Linke Männer betreiben zu oft einen performativen Feminismus, der sich in leeren Gesten erschöpft – also keinen. Die irrtümliche Prämisse, dass auf unserer Seite des politischen Spektrums alle automatisch «good guys» sind, erschwert den Dialog und verhindert ein gemeinsames Vorwärtskommen bei der Überwindung des Patriarchats. Wir erwarten, dass auf Papier und Transparenten formulierte feministische Forderungen im Alltag umgesetzt werden!

 

sei kein dani

Praktisch jede Frau, mit der wir über den Täter Daniel Ryser sprechen, weiss zu ihm eine «Geschichte» zu erzählen. Wir wissen, dass unzählige Frauen von ihm bedrängt, belästigt und manipuliert wurden. Die von ihm ausgeübte sexualisierte Gewalt hat System. Read that again. Die Untersuchungen gegen Daniel Ryser bei der Republik und der WOZ haben denn auch kein Mäuschen geboren, sondern vielmehr eine Herde Elefanten. Das komplette Ausmass seiner Übergriffe lässt sich nur erahnen, denn wie so oft bei sexualisierter Gewalt dürfte die Dunkelziffer hoch sein.

 

believe women

Lasst uns Partei ergreifen für die Betroffenen und ihnen die uneingeschränkte Definitionsmacht der erlebten Übergriffe zugestehen! Das hört sich für dich schwierig an? Dir kommen ein paar «aber» in den Sinn? Dann bist auch du geprägt von patriarchal-stereotypischen Verhaltenserwartungen gegenüber Betroffenen. Zum Beispiel, wie sich Betroffene vor, während und nach einem Übergriff zu verhalten haben. Oder für wen die Unschuldsvermutung gilt. Du fragst dich nach einem faschistischen Übergriff ja auch nicht, ob das Verhalten des Opfers deinen Erwartungen entspricht und welche Argumente der faschistische Täter hatte. Im konkreten Fall waren Frauen von der sexualisierten Gewalt betroffen – deshalb «believe women». Der Grundsatz gilt aber für alle von sexualisierter Gewalt betroffenen Personen. Wir glauben Betroffenen!

 

Stadtverbot / nöd i oisnä rüüm

Sichere, täterfreie Räume bedeuten Opferschutz und Prävention. Sie verhindern, dass Betroffene dem Täter spontan und unvorbereitet begegnen müssen UND sie schützen weitere Personen vor potentiellen Übergriffen. Im vorliegenden Fall ist das nicht gewährleistet. Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass der Täter einsichtig ist, Rücksicht auf die Betroffenen nimmt und keine sexualisierte Gewalt mehr ausübt. Um sichere, täterfreie Räume zu schaffen, braucht es uns alle! Damit zeigen wir den Tätern UNSERE Grenzen auf. Das ist die gesellschaftliche Konsequenz ihres übergriffigen Verhaltens. Sie haben ihr Daseinsrecht in linken Räumen verwirkt. Daniel Ryser hat sein Daseinsrecht in linken Räumen verwirkt. 

 

figg din bro code / unlearn rape culture

Ihr Bros, männlich sozialisierte Personen, seid aufgefordert, Kante zu zeigen. Wenn du kein Ermöglicher sein willst, darfst du die sexistische Kacke deiner Freunde nicht dulden. Es ist deine Pflicht, zu sagen und durchzusetzen, dass dieses Verhalten nicht akzeptiert wird. Wenn dein Freund ein Täter ist, darfst du dich nicht schützend vor ihn stellen oder dich betupft in deinem Zimmer verkriechen. Du sollst Vorwürfe nicht kleinreden oder relativieren.  Wenn du Angst davor hast, der nächste Beschuldigte zu sein, werde aktiv! Reflektiere dein Verhalten, übernehme Verantwortung für dein Handeln, sprich mit jemandem darüber. Sexualisierte Gewalt ist ein Grundpfeiler des Patriarchats und wird strategisch dafür eingesetzt, FINTA-Personen zu unterdrücken. 

 

Es gibt hier keinen Mittelweg. Du bleibst entweder Teil des Problems oder du wirst Teil der Lösung.


Das Jammern der Täter von Mia Nägeli

 Weil er so fickt, wie sie alle gerne ficken würden von Mia Nägeli

 Kritische Man-Babies von Bilke Schnibbe

 Die Furcht linker Männer vor den Feministinnen von Jeja Klein

 Warum transformative Täterarbeit scheitert von Ashley Memo

 What does it mean (and take) to #BelieveWomen? von Kathryn Claire Higgins 

 Männlichkeit verraten von Kim Posster, Neofelis Verlag (und Danke an Kim Posster für diese wertvolle Leseliste)

 Antisexismus_reloaded. Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt - ein Handbuch für die antisexistische Praxis. Mein Körper gehört mir von re.ACTion, Unrast Verlag

 Sprechen und Schweigen über Sexualisierte Gewalt. Ein

Plädoyer für Kollektivität und Selbstbestimmung von Lilian Schwerdtner, edition assemblage.



 

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