Twingo: Innenausbau Teil 1

Twingo: Innenausbau Teil 1

David Rehlich



Das klingt negativ... aber trifft doch immer zu. Beispielsweise ist der Twingo jetzt nur noch ein Zweisitzer. Das haben wir uns zwar ausgesucht, aber jede Medaille hat nunmal ihre zwei Seiten.

Aber lassen wir mal die schlauen Sprüche und beginnen von vorne.



Das ist sie... die kleine aber feine für zwei Personen geeignete Rückbank unseres kleinen Renault Twingo 3 Life SCe70. Selten benutzt, war sie eher ein nettes Accessoire als ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs. Noch zum Zeitpunkt des Dachzelt-Kaufs kam nicht einmal die Idee auf, dass diese Sitzbank vielleicht verschwinden würde.

Ursprünglich wollten wir uns eine Möglichkeit überlegen in den Twingo Gardinen einziehen zu können, um die Erwärmung des Fahrzeugs im Stand zu minimieren und auch neugierige Blicke abzuhalten. Da mag man sich nun - zu Recht - Fragen, was denn die Rücksitzbank mit einem Sichtschutz zu tun hat.


Anfangs war die Idee, dass man eine Art Gerüst oder Käfig einzieht, um daran dann Gardinen zu befestigen und diese Konstruktion hätte dann auf der umgeklappten Rücksitzbank aufgelegen. Naja, wenn dieses Konstrukt dann im Auto gewesen wäre, hätte man die Rücksitzbank ohnehin nicht hochklappen können, ohne dass man alles hätte ausbauen müssen. Daraus hat sich dann vor einigen Wochen die Idee geformt, dass man ja den "verschwendeten" Platz der umgeklappten Sitzbank auch einfach für Gepäck nutzen könnte, wenn man eben diese ausbaut.

Ich habe also Jana meine Idee unterbreitet und große Widerworte erwartet. Zunächst war sie skeptisch, aber dann nur wenige Stunden später am gleichen Tag, hat sie bereits selbst Pläne geschmiedet was man dann machen kann, wenn die Sitzbank ausgebaut ist. Und ja... es war ein "wenn" und kein "falls"...

... gesagt, getan!



Nachdem ich schon mehrfach an verschiedensten Stellen die Verkleidung aus dem Auto herausgerissen habe, hat mir schnell eingeleuchtet, dass auch bei der Rücksitzbank auf das bewährte Prinzip der Plastik-Clips gesetzt wurde. Also ein beherzter Ruck in der Mitte und anschließend jeweils links und rechts und es ließ sich der mittlere Teil zwischen den Sitzfläche und Sitzlehne entfernen, was auf dem oberen Bild schon geschehen ist.


Anschließend müssen nur noch zwei Schrauben und zwei Muttern gelöst werden und die gesamte Lehne lässt sich aus dem Fahrzeug heben, viel wiegt das nicht und ist auch erstaunlich einfach gewesen. Und bereits jetzt lässt sich erahnen wie viel Platz man dort gewinnen kann.





Von hinten hat man bereits einen recht freien Blick bis zu den Vordersitzen, aber die Sitzbank versperrt einem noch den Blick in die hinteren Fußräume.



Ähnlich simpel geht es dann weiter. Bei der Sitzbank sind es insgesamt vier Schrauben, die es zu lösen gilt und schon lässt sich auf die Sitzbank aus dem Fahrzeug heben. Und es offenbart sich uns ein gefühlt endloses Loch. Also jedenfalls viel Platz, um Gepäck unterzubringen.



Von hinten hat man nun ungehinderte Sicht bis unter die Vordersitze...

... also noch.



Natürlich wurde die Rückbank nicht vollkommen unmotiviert ausgebaut, um dieses Loch dann randvoll mit Gepäck zu kippen. :D Das ergibt ja auch wenig Sinn, irgendwie muss man den Kram im Auto dann ja organisieren... stumpf viel Platz ist ja auch nicht zielführend.



Daher habe ich zunächst einen Rahmen eingezogen. Montiert an den ursprünglichen Aufnahmen der Sitzbank. Dadurch musste ich mir keine Gedanken über neue Befestigungspunkte machen und konnte den Rahmen trotzdem sicher arretieren.




Sowohl oben als auch unten habe ich herkömmliche verzinkte Winkel aus dem Baumarkt verwendet. Der Grund warum ich zwei Vierkant-Hölzer verwendet habe, liegt ganz einfach darin begründet, dass ich diese noch in der Werkstatt liegen hatte und von der Breite passte es perfekt an die Winkel.





Anschließend ging es dann daran die "Regalbretter" einzuziehen. Ich habe dafür schon passend zugeschnittene Fichten-Holzbretter aus dem Baumarkt besorgt. Die obere Abdeckplatte hat die Maße 1200 x 600 x 18 mm und für den untern Zwischenboden habe ich eine um 10 cm kürzere Platte mit den Maßen 1200 x 500 x 18 mm genommen. Mit 120 cm Breite passen diese exakt von links nach rechts zwischen die Türen, lediglich Ausschnitte für die Verbreiterung am Kofferraum sind notwendig, damit es hinten aufliegen kann.



Mit dem richtigen Werkzeug ist dies natürlich ein Kinderspiel. Ich habe zwar auch Stichsägen zur Hand, aber irgendwie ist es doch entspannter eine herkömmliche Handsäge zu verwenden. Man hat es dann besser im Gefühl... wie ich finde. Geschliffen werden darf dann aber ruhig maschinell.







Beginnen wir also mit dem unteren Zwischenboden. Wie man sieht, sind jeweils vorne links und rechts Ausschnitte gemacht, damit es bündig an die Füße passt und im hinteren Bereich sind ebenfalls Ausschnitte, damit es ins Auto passt. Hinten liegt die Platte auf den weißen Bügeln auf, die man auf dem Bild gut erkennt wo die Sitzbank gerade ausgebaut ist. Diese Bügel haben wir jedoch mit kurzen Schlauchstücken von einem Fahrradschlauch bezogen, um es rutschfester zu gestalten und ein mögliches Klappern zu reduzieren.

Von oben wird die Platte mit einem gebogenen Flachverbinder fixiert, welcher ebenfalls an schon vorhandenen Fixpunkten der Sitzbank verschraubt ist. Und im vorderen Bereich wird die Platte mit zwei Winkeln pro Seite an dem Rahmen befestigt.





Nachdem der untere Zwischenboden nun sicher im Fahrzeug sitzt, kommt noch die Abdeckplatte als Abschluss oben drauf. Diese wird mit 3 Flachverbindern an den originalen Aufnahmen der Sitzbank befestigt.

Unter der Platte sind parallel zu den Befestigungspunkten ebenfalls Kanthölzer befestigt, um ein Verbiegen oder Brechen dieser bei Belastung zu verhindern.




Im vorderen Bereich liegt die Platte auf dem selbstgebauten Rahmen auf und hinten auf der Karosserie.





Die Löcher werden alle entsprechend vorgebohrt, um ein Reißen der Platte oder der Kanthölzer zu verhindern. Aber nicht zu viel Material wegnehmen, damit die Schrauben noch greifen können.







Obwohl mir ein Akkuschrauber zur Verfügung steht, dient dieser lediglich als Bohrer und die Schrauben ziehe ich wieder per Hand an. Man hat es so im Gefühl wie viel Kraft man aufwenden muss, ob die Schraube richtig greift und man schraubt sie nicht versehentlich zu tief in die Holzplatte, sondern kann diese perfekt mit der Platte abschließen lassen, für eine plane Ladefläche.



Da ich eigentlich alle Fotos mache, bin ich natürlich nie auf meinen Fotos drauf, daher musste nun auch Jana nochmal ran und den Beweis dafür liefern, dass ich auch wirklich selbst Hand angelegt habe.





Eingebaut liefert die ganze Konstruktion einen grundsoliden Eindruck und legt man nun noch die Dämmmatte über dem Motorraum wieder ein, so entsteht der Eindruck, dass dies schon immer so war. Würde man nun die Holzplatte noch mit Filz beziehen, würde vermutlich niemand erkennen, dass es sich hierbei nicht schon immer um einen Zweisitzer mit Ladefläche gehandelt hat... oder die Sitzbank umgeklappt ist.

Und da die originalen Befestigungspunkte verwendet wurden, liegt die Dämmmatte auch perfekt auf, da an diesen Stellen bereits Aussparungen vorgesehen sind.





Da es mittlerweile schon recht spät in der Nacht war, mussten mir 1 bis 2 kW für Beleuchtung sorgen und lieferten gleichzeitig noch eine angenehm wohlige Wärme.



Im fertigen zustand sieht die Unterkonstruktion dann folgendermaßen aus. Das obere recht flache Fach wird unser Sonnenschutzsegel beheimaten, worüber es auch demnächst noch einen Bericht geben wird. Im unteren größeren Fach ist die Verwendungen noch nicht abschließend geklärt. Wir müssen noch unsere Wasservorräte sinnvoll im Auto verstauen und dafür schwebt mir auch bereits eine Lösung vor. Da das Wasser im Fußraum zwar praktisch verstaut ist, aber halt einfach weit unten ist und man sich somit nicht die Schwerkraft zunutze machen kann, müsste man mit Druck arbeiten, um das Wasser auf eine angenehme Arbeitshöhe zu fördern. Ihr dürft also gespannt sein.



Manchmal ist es wirklich lustig wie plötzlich sich Pläne ändern können, da es bis vor einem Monat vollkommen außer Frage stand solch doch recht tiefgreifenden Veränderungen am Twingo vorzunehmen. Aber es kommt dann doch selten wie geplant.


In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine entspannte Arbeitswoche und viel Spaß im Freien bei diesen doch frühlinghaften Temperaturen... also erweckt die Fahrräder aus dem Winterschlaf und genießt einen CO2-neutralen, erfrischenden Arbeitsweg ;-)



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