Rune Eihwaz

Rune Eihwaz


Lautwert: ei

Name: EIHWAZ – Eibe

Andere Namen: ae. eoh


Angelsächsisches Runengedicht

Eoh byþ utan unsmeþe treow, heard hrusan fæst, hyrde fyres, wyrtrumun underwreþyd, wyn on eþle.

Die Eibe hat eine raue Rinde, ist hart, fest wie ein Felsen, sie ist die Hüterin des Feuers, ist tief verwurzelt und eine Freude auf jedem Grund.


Bilderwelt

Eibe

Name und Gestalt der Rune haben auf den ersten Blick keine Beziehung zueinander, sodass zunächst der Baum und seine kulturelle Bedeutung maßgeblich für die Deutung von EIHWAZ sind. Die Eibe ist die älteste heimische Baumart und es gibt sie schon seit mindestens 600 000 Jahren. Heute steht sie unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen Bäume zu gedeihen. Sie wächst sehr langsam und nicht sehr hoch, doch kann sie dafür älter werden als alle übrigen heimischen Bäume. Die Eibe ist ein seltsamer Baum: Auf der einen Seite ist sie ein Nadelgehölz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie Fichte oder Tanne, sondern rote »Scheinbeeren« (Arillus), bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umhüllt. Während die weiblichen Eiben im Spätsommer und Herbst diese Früchte tragen, verbreiten die männlichen Eiben aus ihren Blüten im Frühling einen nebelartigen Staub. Auffällig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen uns nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter anzublicken scheinen. Ältere Bäume sind hohl und verjüngen sich, indem sich aus der Krone Äste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden, oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe befindet sich in einem ununterbrochenen Verwandlungsprozess, der es schwer macht, ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat eine gelbliche bis tiefrote Färbung. Besonders an regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde blutrot hervor. Überlebt hat sie zumeist in Gärten, auf Friedhöfen und in Parks. Vielleicht hängt der althochdeutsche Name »iwa« mit dem Wort »ewa« für Ewigkeit zusammen, dann wäre die Eibe der immergrüne Baum, der den Tod überwindet – und bringt.

Von der Giftigkeit der Eibe sprach bereits Julius Cäsar. Er berichtete, dass der Eburonenkönig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenfürsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe heißt Taxin, ist stärker als das des Fingerhuts und führt zu einem schnellen Herzstillstand. Zwar ist die Eibe auch für Menschen giftig, allerdings müsste man wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschließt, ist ungiftig und schmackhaft. Kein Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Begleiter in die Anderswelt. Sie tränkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles Böse, gegen Hexen und Dämonen: »Vor Eiben kann kein Zauber bleiben«. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedhöfen. Andererseits stehen Eiben nicht nur für den Tod, sondern auch für dessen Überwindung, nicht zuletzt weil sie immergrün sind. Die Begegnung mit der Eibe ist in jedem Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine düstere Atmosphäre, die Ehrfurcht einflößt. Keine Eibe gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre Äste entgegen, manchmal einladend, öfters aber warnend. Eine starke Kraft der Wandlung geht von ihnen aus. Wer sich auf sie einlässt, für den kann die Eibe wie ein Kanal wirken, der uns von Altlasten befreit, sobald wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen.

Yggdrasil

Manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergrüner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie »das Pferd des Schrecklichen« bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der höchste aller Götter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann könnte er auch als ein »Reisebaum« betrachtet werden – ein Baum, auf dessen »Rücken« wir in andere Welten reisen können, vielleicht ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe: Besonders an warmen Tagen dünsten Eiben Pseudoalkaloide aus, sodass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und Wärme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten von Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufstörungen, die sich nach einem mehrstündigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zustände bis hin zu Trance können eintreten. Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten? Die Eibe ist ein Baum des Übergangs, ein Baum der Grenze – zwischen Leben und Tod, zwischen dieser Welt und der anderen Welt. Als solcher steht sie auf Friedhöfen, wo sie einerseits mit ihrem immergrünen Nadelkleid für das ewige Leben steht, andererseits aber so gut wie kein anderer Baum den Übergang in das Jenseits verkörpert. Wie so oft, wirkt die Eibe in beide Richtungen: sie kann uns beim Überschreiten der Grenzen unterstützen, sichert aber auch die Grenzen dieser Welt. Die Eibe schützt vor Dämonen und Hexen: Wer ein Stück des Holzes am Körper trägt, der ist gewappnet gegen jede Form von Zauberei.


Bogen und Schlange

Das Urbild der Rune ist schwierig zu deuten, aber vielleicht stellt es einen stilisierten Bogen dar, denn aus dem sehr haltbaren und elastischen Holz schuf man schon in der Steinzeit besonders langlebige Waffen wie Pfeile und Bögen. Auch das Bogenholz von »Ötzi«, dem in den Ötztaler Alpen gefundenen mumifizierten Leichnam eines Menschen der frühen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. So kam es, dass Eiben vielerorts aufgrund der großen Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 weitgehend ausgerottet waren. Der Bogen war bei den Germanen keine der üblichen Waffen, denn die Krieger zogen den Nahkampf vor – der Umgang mit Pfeil und Bogen hatte etwas Heimtückisches. Und so wundert es nicht, dass es ein von einem Bogen abgeschossener Mistelzweig war, der den Lichtgott Balder tötete, nachdem der blinde Höder vom arglistigen Loki dazu angestiftet worden war. Der Wintergott Ulla führte einen Bogen mit sich, und bezeichnenderweise heißt seine Himmelsburg Ydalir, das Tal der Eiben. Der Bogen ist abgesehen davon ein altes Mondsymbol und wird gerne von Mondgöttinnen getragen, zum Beispiel von der antiken Artemis/Diana, der Göttin der Jagd. Hier erscheint der Mond in seiner mystischen Bedeutung und nicht so sehr in seiner Funktion als Zeitmesser wie in der vorangehenden Rune JERA. Der Mond, als Herrscher der Nacht, taucht alles in ein silbriges, unwirkliches Licht. Er regiert die Welt der Träume und des Schlafes, während seine Schwester, die Sonne, die Welt des Tagbewusstseins beherrscht. Mondlicht spielt bei vielen magischen Ritualen und Beschwörungen eine ganz besondere Rolle – er verstärkt die Zauberei.

Bedeutung

EIHWAZ ist eine Rune, die sich weniger auf das Alltägliche des Hier und Jetzt bezieht, sondern uns einen Zugang zum Jenseitigen verschaffen kann. Mit EIHWAZ werden wir an die Grenzen des Bewusstsein geführt und eingeladen, diese zu überschreiten. Dabei werfen wir einen Blick hinter die Schleier der Wirklichkeit. Was wir dort erblicken, ist eine Botschaft, die möglicherweise unseren Verstand übersteigt, aber die uns so intensiv berührt, dass sie unser Leben verwandeln kann. EIHWAZ bezieht sich auf solche magischen Augenblicke in unserem Dasein, in denen wir nicht wissen, warum, wieso und weshalb wir auf einmal überzeugt sind, unser Leben zu ändern. Wir spüren nur, dass es wichtig und richtig ist, finden aber keine Argumente dafür und können es auch nicht vermitteln. Es ist wie das Gefühl, aus einem Traum zu erwachen und zu wissen, dass sich etwas ändern wird. EIHWAZ bringt Vorahnungen, manchmal Hellsichtigkeit und prophetische Kräfte. Diese Rune ermutigt uns, diesen Eingebungen zu vertrauen und alle Bedenken beiseitezulassen. EIHWAZ verbindet uns mit unserem höheren Selbst, ob wir darin nun einen Impuls aus der Anderswelt, von Gott oder einfach aus den Tiefen unseres Unbewussten sehen, bleibt am Ende gleich.

Stichwörter

Leben und Tod; Ewigkeit, Jenseits, Anderswelt; Überschreiten der Grenze zwischen Tag- und Nachtbewusstsein; Magie, Zauberei; Kontakt mit dem Unbewussten, Traumwelt; Geheimnisse; Botschaften des Höheren Selbst.


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Quelle

Runen Zauberzeichen der Germanen



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