Rune Ehwaz

Rune Ehwaz


Lautwert: e

Name: EHWAZ – Pferd

Andere Namen: ae. Eh, eoh

Angelsächsisches Runengedicht

Eh byþ for eorlum æþelinga wyn, hors hofum wlanc, ðær him hæleþ ymb[e] welege on wicgum wrixlaþ spræce and biþ unstyllum æfre frofur.

Das Pferd ist bei den Menschen eine Freude für die Edlen, über das Ross auf seinen Hufen, das stolze Tier, wechseln berittene Helden gewaltige Worte, für die Ruhelosen ist es stets Trost.

Bilderwelt

Pferd

Das Bild der Rune gibt sehr wahrscheinlich ein stilisiertes Pferd wieder, vielleicht kann man darin auch zwei Pferdeköpfe sehen, die sich berühren. Der Name der Rune EHWAZ entspringt dem indoeuropäischen ekuo-s, das auch im lateinischen Equus erhalten ist, aber auch im Namen der keltischen Pferdegöttin Epona. Pferde spielen in der germanischen Mythologie eine große Rolle, sind sie doch Reittiere vieler wichtiger Gottheiten, allen voran natürlich Odin, dessen achtfüßig dargestelltes Pferd Sleipnir besonders schnell ist. Entsprechend ist eine der Hauptbedeutungen von EHWAZ Geschwindigkeit. Auch Sonne und Mond werden von Pferden über das Himmelszelt gezogen, die Pferde der Sonne haben Namen: sie hießen Arwakr, der Frühwache, und Alswid, der Allkluge. Die Personifikation des Tages, der Riese Dagr, reitet auf einem Pferd namens Skinfaxi, »Scheinende Mähne«, das den gesamten Himmel mit seiner Mähne zum Leuchten bringt, und die Nacht, eine Riesin und Mutter von Dagr, auf einem Ross mit Namen Hrimfaxi, »Reifbesetzte Mähne«, dessen Schaum aus dem Maul als Tau auf die Erde tropft. Dies erinnert an den berühmten Sonnenwagen von Trundholm, eine Bronzeskulptur aus der Bronzezeit, die in Dänemark gefunden wurde: ein Pferd zieht einen Wagen, auf dem eine große goldene Sonnenscheibe befestigt ist. Das Motiv des Sonnenwagens kennen wir auch aus anderen Mythologien, zum Beispiel aus der Antike, aber auch aus der chinesischen, ägyptischen und keltischen. Auch der schöne Gott Heimdall, der Wächter Asgards und Beschützer der Himmelsbrücke zwischen Göttern und Menschen, reitet auf seinem Pferd Gulltopp, »Goldzopf«, zu den täglichen Versammlungen der Asen an der Weltesche Yggdrasil. Im Grimnismâl werden die Namen der Asenpferde aufgezählt:

»Gladr und Gyllir, Gler und Skeidbrimir, Silfrintopp und Sinir, Gisl und Falhofnir, Gulltopp und Lettfeti:

Diese Rosse reiten die Asen täglich, wenn sie reiten Gericht zu halten bei der Esche Yggdrasils.«

Übersetzt heißen diese Pferde: freudvoll, golden, hell, schnaubend im Lauf, Silberzopf, sehnig, strahlend, gelbhufig, Goldzopf, Leichtfuß. Die Namen drücken aus, dass Pferde für Leichtigkeit, Helligkeit, Schnelligkeit und Beweglichkeit stehen.

Mittler zwischen den Welten

Immer wieder wird das Pferd eingesetzt, um die Welten miteinander zu verbinden. So reitet der Ase Hermodr auf einem Pferd in die Unterwelt der Göttin Hel, um die Totengöttin zu bewegen, den ermordeten Balder wieder zurückkehren zu lassen. Das Pferd ist in diesem Sinne ein Wesen zwischen den Welten und in allen Welten zuhause. Dies wird auch deutlich, wenn es sowohl dem Tag und damit dem Licht zugeordnet wird, aber auch der Nacht und der Dunkelheit. In diesem Sinne steht EHWAZ für den Übergang zwischen den verschiedenen Welten.

Yggdrasil, der Weltenbaum, selbst kann als »Pferd des Schrecklichen« übersetzt werden, wobei »der Schreckliche« ein Beiname des Odin ist. Odin hing am Weltenbaum in einer Art Initiationsritus, um die Weisheit der Runen zu empfangen. Dies erinnert an Traditionen, in denen der Schamane auf seinem Pferd in die Anderswelt reist, um dort zu Erkenntnissen zu gelangen. Die Trommel, die auf eine Weise geschlagen wird, um den Schamanen in einen Trancezustand zu versetzen, wird gerne mit einem Pferd verglichen. Auch hier wird das Pferd als Mittler zwischen den Welten angesehen. Manche hören in dem Wort EHWAZ auch eine Anspielung auf das deutsche Wort »Ehe« und sehen in der Rune ein Zeichen für die Beziehung zwischen zwei Menschen. Sicherlich ist diese Etymologie eher problematisch, aber der Grundgedanke passt zu unseren bisherigen Ausführungen, denn wenn wir die Rune betrachten, dann können wir auch zwei Menschen sehen, die sich die Hand reichen – es kommt zu einer Begegnung. Jede Begegnung aber kann auch als Berührung zweier Welten betrachtet werden, die sich nun im Austausch befinden. In diesem Sinne kann EHWAZ durchaus als Rune der Begegnung gesehen werden, die geschieht, wenn wir uns anderen Menschen aktiv zuwenden. Wenn wir uns dann die Hände reichen, schlagen wir eine Brücke zueinander – ein schönes Bild auch für die Rune selbst.

Bedeutung

EHWAZ stellt Beziehung her, so wie das Pferd zwischen den Welten vermittelt, versetzt es uns in die Lage, aktiv auf andere zuzugehen. Wenn wir EHWAZ mit der vorangehenden Rune BERKANA vergleichen, sind wir jetzt einen Schritt weiter – nachdem wir unsere Herzen geöffnet haben, fliegen jetzt die Herzen aufeinander zu. Beziehung entsteht als ein Band zwischen mir und meinem Gegenüber. Es ist eine erste Berührung, ein erstes Eintauchen in eine fremde Welt. EHWAZ ermuntert uns, uns auf den Weg zu machen und jede Begegnung als Reise in eine andere Welt zu sehen, aus der wir bereichert wiederkehren. Darüber hinaus ermutigt uns EHWAZ, jetzt keine Zeit mehr zu verlieren für das, was ansteht. So wie das Pferd uns hilft, weite Strecken in kürzerer Zeit zu überwinden, stehen die Zeichen jetzt gut, »Gas zu geben«, um in unseren Angelegenheiten ein gutes Stück vorwärtszukommen. Zögern oder Zaudern ist jetzt nicht angebracht. Vielmehr dürfen wir uns der Kraft von EHWAZ anvertrauen, die uns überall hin bringen kann. Diese Zuversicht ist ein wesentlicher Teil der Bedeutung dieser Rune, verlangt aber auch Vertrauen und eine gewisse Furchtlosigkeit, denn Geschwindigkeit bedeutet auch, Kontrolle aufzugeben. Das ist sowohl für die Begegnung mit anderen Menschen als auch im Umsetzen mancher Vorhaben nötig. EHWAZ versichert uns jedoch, dass wir zu diesem Zeitpunkt dieses Vertrauen haben dürfen – und uns von Vorbehalten und Zweifeln lösen können, um uns endlich frei und unbefangen unseren Zielen oder anderen Menschen zuwenden zu können.

Stichwörter

Schnelligkeit, Geschwindigkeit, Beweglichkeit; Freiheit; eine Brücke schlagen zu anderen Welten und anderen Menschen, Begegnung, Beziehung; sich dem Fluss des Lebens anvertrauen, sich gehen lassen; unbekümmert, unbefangen, losgelöst; keine Zeit mehr verlieren, Ende des Wartens.

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Quelle

Runen

Zauberzeichen der Germanen



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