Rune Algiz

Lautwert: z, ß (scharfes s)
Name: ALGIZ – Elch.
Andere Namen: ae. eolh
Angelsächsisches Runengedicht
Eolh-secg eard hæfþ oftust on fenne wexeð on wature, wundaþ grimme, blode breneð beorna gehwylcne ðe him ænigne onfeng gedeþ.
Das Elchgras wurzelt zumeist im Sumpf, wächst im Wasser, fügt schreckliche Wunden zu, bedeckt mit Blut einen jeden, der mit ihm in Berührung kommt.
Bilderwelt
»Elchgras«
Während das Wort ALGIZ sich mit Elch oder Elche übersetzen lässt, bezieht sich das altenglische Runengedicht auf »Elchgras«, wobei das Wort »secg« mit Segge verwandt ist, die botanische Bezeichnung für eine Reihe von Gräserarten, die weltweit verbreitet sind und feuchte bis nasse Standorte bevorzugen. Das Wort »Segge« wiederum ist etymologisch verwandt mit einem indogermanischen Wort für »schneiden« und verweist auf die oft schneidenden Blätter dieser Gräser. So erklärt sich die Warnung des Runengedichtes vor den schrecklichen Wunden, die diese Pflanze zufügen kann. Ursprünglich, davon gehen die meisten Runenforscher aus, ist mit ALGIZ jedoch nicht die Pflanze gemeint, sondern tatsächlich das Tier selbst. Die Form der Rune kann durchaus als der Kopf dieser vor allen Dingen in nördlichen Gebieten des Globus beheimateten größten aller Hirscharten mit dem imposanten Geweih betrachtet werden. Grundsätzlich kann man jedoch dieser Rune jede Hirschart zuordnen, denn die Symbolik des Geweihs ist das zentrale Thema von ALGIZ. Hirsche gelten in vielen Kulturen als heilige Tiere und stehen mit dem Licht der Sonne in Verbindung. Dies liegt vielleicht daran, dass die rote Farbe des von den Geweihen abgescheuerten Bastes als Farbe des Feuers gesehen wurde. So kommt es auch, dass der Hirsch oder Elch in nordischen Ländern häufig den mythischen Sonnenwagen zieht. Aber auch in den Mythen der Mittelmeervölker finden wir diese Zuschreibung, wo der Hirsch dem Sonnengott Apollo geweiht ist. Diese Identifikation des Hirsches mit dem Himmelslicht reicht bis in die christlichen Legende vom Heiligen Hubertus, der einen Hirsch verfolgte, zwischen dessen Geweih ein Kreuz erschien, dass heller strahlte als die Sonne. Vielleicht verstand man das Geweih des Hirsches als eine Art Antenne zu den Kräften des Himmels – umso erstaunlicher, dass diese Rune vor gar nicht allzu langer Zeit das Zeichen auf Mobiltelefonen war, um den Empfang anzuzeigen. ALGIZ, so könnte man sagen, verbindet uns mit diesen positiven Kräften des Himmels. Mit ALGIZ holen wir das Licht des Himmels auf die Erde.
Stützbalken
Christus wird in mittelalterlichen Schriften mit dem Hirsch identifiziert, denn man glaubte, dass er sich bevorzugt von Schlangen ernährt. Die Schlange aber ist bekanntlich in der christlichen Mythologie ein Symbol des Teufels. Der mächtige Hirsch steht also für die schützende Kraft des Lichtes auf Erden. Tatsächlich wurde und wird ALGIZ häufig als Schutzrune eingesetzt. Dazu passt eine andere Betrachtungsweise des Runenzeichens: Es erinnert an einen Stützbalken, wie er beispielsweise in Dachstühlen älterer Häuser zu finden ist. Das Dach kann als Himmel des Hauses gesehen werden, zugleich bietet es Schutz vor dem Unbill der Natur. Wer ein »Dach über dem Kopf« hat, der kann sich sicher fühlen. Der Stützbalken garantiert, dass das Dach auch über dem Kopf bleibt. ALGIZ verweist daher auf die Kraft der Unterstützung, die wir von anderen Menschen bekommen, aber auch anderen angedeihen lassen. Schutz bekommen und Schutz geben, das ist die Botschaft von ALGIZ unter diesem Gesichtspunkt. Eine ähnliche Assoziation erhalten wir, wenn wir die Rune auch als Abbild eines Baumes betrachten, der die belaubten Zweige seiner Krone in den Himmel streckt. Hier verbindet sich die Stabilität des Baumes mit der Idee, dass wir mit ALGIZ den Himmel berühren. Die Kraft, die wir anderen zukommen lassen oder die wir selber zu unserer Unterstützung brauchen, kommt demnach aus dem Himmel – »Alles Gute kommt von oben«, heißt es. Das Vertrauen in das Wohlwollen höherer Kräfte ist die Grundlage für die Erfahrung, vom Leben getragen zu werden. Eine weitere Assoziation ist hier der Mensch selbst, der die Gestalt der Rune bildet, wenn er seine Hände nach oben richtet und um den Segen des Himmels bietet. Wie das Geweih des Hirsches gewissermaßen die »Antennen« nach oben bilden, so heben wir unsere Arme im Gebet zum Himmel, um um göttlichen Beistand zu bitten. Es ist zugleich eine universale Geste der Segnung, wie sie in vielen Religionen von Priestern ausgeführt wird. Das heißt, dass wir die Kraft des Himmels empfangen und zugleich an andere weitergeben können. Wie fungieren in diesem Sinne wie ein Mittler zwischen oben und unten, Himmel und Erde.
Vogel im Flug
Wenn man die Rune zur Seite kippt, dann kann man in ihrer Gestalt auch einen stilisierten fliegenden Vogel sehen. Ein weiterer Bezug zu Vögeln ergibt sich daraus, dass ein Vogeltritt zum Beispiel als Spur im Sand tatsächlich an ALGIZ erinnert. Vögel als Wesen des Himmels sind ein weiterer Hinweis auf den überirdischen Bezug dieser Rune. Nicht umsonst werden Engel in der Regel mit Flügeln dargestellt, weil wir uns vorstellen, dass sie auf ihren Schwingen zwischen Himmel und Erde auf- und absteigen. Das Wort »Engel« stammt vom griechischen »angelos«, das so viel wie »Bote« bedeutet. Engel sind demnach Botschafter des Himmels. Auch der griechische Gott Hermes, der römische Merkur, hatte Flügel, und zwar an seinen Schuhen und auch an seinem Helm. Viele Götter und Göttinnen haben einen Vogel, der ihnen heilig ist, Zeus den Adler, Hera/Juno den Pfau, Aphrodite/Venus die Taube und der Sperling und Odin die beiden Raben Hugin und Munin, die ihm zutragen, was alles auf der Welt geschieht. Vögel spielen auch in der germanischen Mythologie eine Rolle: So sitzt zum Beispiel ganz oben auf der Weltesche Yggdrasil ein Adler, der König der Vögel, der dem Himmel und seinen Kräften am nächsten ist. Auch hier taucht wieder das Bild des Beschützens und Beschütztwerdens auf, wenn wir uns vorstellen, dass der Adler seine mächtigen Schwingen ausbreitet, unter denen wir uns geborgen fühlen dürfen – wir werden unter seine Fittiche genommen.
Bedeutung
ALGIZ ist in erster Linie die Rune des Schutzes. Sie zeigt an, dass wir Schutz finden werden, indem wir uns den Kräften des Himmels anvertrauen und um Schutz bitten. Dabei spielt es keine Rolle, von welcher religiösen Vorstellung wir dabei ausgehen, ob wir wirklich glauben, dass ein Gott seine schützende Hand über uns hält oder Engel über uns wachen. Vielmehr geht es darum, sich einer übergeordneten Instanz zu öffnen, so wie wir die Hände ausbreiten, als wollten wir den Himmel berühren und die Kräfte, die von dort auf uns niederströmen, einsammeln und uns zu ihrem Kanal machen. Genau darin liegt der zweite Sinn der Rune: nicht nur für sich um Schutz bitten, sondern auch die eigene Kraft zum Schutze anderer einzusetzen. Die Botschaft von ALGIZ ist die Gewissheit, dass wir über ausreichend Kraft verfügen, auch andere unter unsere Fittiche zu nehmen, wenn wir für das Gute, das von oben kommt, offen bleiben.
Stichwörter
Schutz, Unterstützung; Schutz bekommen und Schutz gewähren; unterstützen und unterstützt werden; um Kraft bitten, sich dem Himmel öffnen, beten; »Alles Gute kommt von oben«, Vertrauen in höhere Mächte; Vermittler zwischen oben und unten sein, Kanal für göttliche Kräfte werden; Glaube an das Gute und den Sieg des Guten über das Böse.
Gerne meinen Kanal abonnieren oder teilen. Danke schön 🙏👇
https://t.me/machtgutelaune2021

Quelle
Runen Zauberzeichen der Germanen