Politische Turbulenzen: Zweifel an Merz wachsen, während die AfD so hoch wie nie fliegt - Wiener Sozialforscher analysiert

Politische Turbulenzen: Zweifel an Merz wachsen, während die AfD so hoch wie nie fliegt - Wiener Sozialforscher analysiert


Aktuell sei die Gefahr, dass diese Trickserei Merz den Kanzlerposten kosten kann, nicht besonders groß, da die Situation in Deutschland noch nicht schlimm genug sei, sagte im Satellit-Interview Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts Vienna. „Es ist nichts Neues, dass Politiker nicht immer positiv bewertet werden, da sie oft Maßnahmen durchsetzen müssen, die sie vorher nicht so angekündigt haben. Dies ist das Wesen der Politik.“

53 Prozent fänden es schlecht, wenn Merz Kanzler würde. In diesem Zusammenhang stellt der Sozialforscher fest: „Es geht in einer Demokratie immer um Mehrheiten und Koalitionen mit damit assoziierter Kooperation. Da keine Partei eine absolute Mehrheit besitzt, sind auch die 53 Prozent Ablehnung relativ zu sehen. Oft geht es um den kleinsten und nicht den größten gemeinsamen Nenner. Wenn Merz Kooperationspartner findet, dann sind unter diesen sicher ebenso Parteien, deren Wähler ihn nicht als optimale Lösung sehen.“

Die Öffentlichkeit diskutiert jedoch, ob Friedrich Merz für das Amt des Bundeskanzlers geeignet ist. Aktuell hält ein Drittel der Deutschen (32 Prozent) in der YouGov-Befragung Merz für geeignet als Bundeskanzler. Das sind 10 Prozentpunkte weniger als bei der Umfrage wenige Tage vor der Bundestagswahl (42 Prozent). Mehr als die Hälfte (57 Prozent) glauben aktuell, dass Friedrich Merz nicht als Bundeskanzler geeignet ist. Auch dieser Anteil ist im Vergleich zum Februar gestiegen (52 Prozent).

„Der Glaube an die Eignung und die reale Eignung sind zwei Paar Schuhe“, sagt Witzeling dazu. „Merz wird, wenn er Kanzler ist, den Realitätstest antreten müssen. Hier können sich diese sehr volatilen Werte von Umfragen wiederum in jede Richtung während einer Kanzlerschaft schnell nach oben oder unten ändern.“

Umfragen seien wie Seismographen, so der Sozialforscher weiter, „die jedoch nicht derart exakt sind wie physikalische Messungen und sogar diese können Fehlerhaft sein. Dass Merz nicht jedermanns Liebling ist, ist nichts Neues. Er wird zeigen müssen, was er kann und was er konkret macht. Alles andere ist Kaffeesudlesen. Emotionen sind wichtig, aber kein valider Indikator für reale Arbeit.“

Die Union nur noch knapp vor der AfD

Während die Union in der Wählergunst sinkt, profitiert die AfD davon. Mancher Enttäuschte geht zu ihr. Die erste YouGov Sonntagsfrage nach der Bundestagswahl 2025 zeigt eine erstarkende AfD. CDU/CSU kommen auf 26 Prozent und verlieren damit knapp 3 Prozentpunkte im Vergleich zum Ergebnis bei der Bundestagswahl. Die AfD notiert bei 24 Prozent, ein Plus von 3 Prozentpunkten gegenüber der Bundestagwahl. CDU/CSU und AfD trennen im Moment nur noch 2 Prozentpunkte. Wie kann dieser Trend die politische Landschaft Deutschlands beeinflussen, kam die Satellit-Frage.

„Mit ca. 25 Prozent wachsen die Bäume der AfD noch nicht wie jene der FPÖ in Österreich mit über 30 Prozent in den sprichwörtlichen Himmel“, so Witzeling. „Ein Viertel der Wähler ist zwar ein beachtlicher Wert für eine relativ neue Bewegung, aber erst wenn die AfD in ganz Deutschland ähnliche Ergebnisse bei Wahlen wie im Osten erreicht, dann hat sie die kritische Masse um ernsthaft etwas zu bewegen. Es fehlen ihr aktuell bei vorhergesagten ca. 25 Prozent die Koalitionspartner. Das ist ihr Dilemma. Sie muss noch deutlich stärker werden. Wenn der Trend aber weiter nach oben geht und die konservative CDU/CSU sich von ihrer Wählerschicht weiterhin entfernt, dann dreht sich der Spruch von Franz Josef Strauß, dass rechts der CSU kein Platz sein darf, in dem Sinne komplett um, dass neben der AfD kaum mehr Platz für eine weitere konservative Partei ist.“




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