Ostpreußen (2)

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Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) drang die russische Narew-Armee und Njemen-Armee tief in Ostpreußen ein. 152.000 deutsche Soldaten standen einer Übermacht von 191.000 Russen gegenüber. Der deutsche Oberbefehlshaber, General von Prittwitz verlor nach der verlustreichen Schlacht bei Gumbinnen (20.08.1914) die Nerven und ordnete den Rückzug hinter die Weichsel an. Da dadurch ganz Ostpreußen verloren gewesen wäre, enthob Generalstabschef Helmuth von Moltke von Prittwitz seines Postens. Für von Moltke war nur Generalmajor Ludendorff in der Lage den Feind aufzuhalten. Ludendorff war jedoch ein großer Choleriker, außerdem hatte er einen niedrigeren Dienstgrad als andere Frontgeneräle und so stellte man ihm den ruhigen und besonnenen Hindenburg als nominellen Oberbefehlshaber zur Seite. Nach den bereits ausgearbeiteten Plänen des 1. Generalstabsoffizier, General Max Hoffmann, wurden die Russen in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen, der russische Oberbefehlshaber, General Samsonow, schoss sich eine Kugel in den Kopf. Nach dem deutschen Sieg bei Tannenberg (Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914) wurde der offizielle Befehlshaber der 8. Armee General Paul von Hindenburg zum Volkshelden.

Der Versailler Vertrag bestimmte 1919 die Abtretung der Provinzen Posen und Westpreußen an Polen. Durch diesen „Polnischen Korridor“ wurde Ostpreußen von Deutschland abgeschnitten. Die Verbindung mit dem Reich erfolgte mit der Eisenbahn, wobei Polen nach Artikel 89 des Versailler Vertrages zur Gewährung von Transitfreiheit verpflichtet war. Die bei Deutschland verbliebenen Gebiete Westpreußens (Kreis Marienburg, u.a. mit ElbingMarienburg und Marienwerder) wurden im Osten an Ostpreußen angegliedert, während der verbliebene westliche Teil mit den Resten der Provinz Posen zur preußische Provinz „Grenzmark Posen-Westpreußen“ vereinigt wurde. Am 10. Januar 1920 musste der südwestliche Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden, da Polen die vollständige Kontrolle über eine wichtige Eisenbahnlinie erhalten wollte.

Da Polen auch Anspruch auf Masuren erhob, bestimme der Versailler Vertrag eine Volksabstimmung. Diese musste in den Regierungsbezirken Allenstein sowie Gumbinnen (südlicher Teil) unter der Aufsicht einer interalliierten Kommission abgehalten werden. Am 11. Juli 1920 entschieden sich bei 80 % Wahlbeteiligung die Mehrheit der Bevölkerung (363.159 Stimmen (97,86 %)) für den Verbleib bei Deutschland. Nur 7924 Stimmberechtigte (2,14 %) votierten für Polen.

In einem kleinen östlichen Randgebiet Westpreußens kam es am 11. Juli 1920 zu einer Volksabstimmung. Bei dieser Befragung votierte die große Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland und gegen den Anschluss an Polen. Daraufhin kam der Osten der Provinz Westpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Sitz in Marienwerder zur Provinz Ostpreußen. Somit gehörten ursprünglich westpreußischen Städte wie ElbingMarienwerderMarienburg u.a. von 1920 bis 1945 zu Ostpreußen.

Das Memelgebiet, welches durch den Versailler Vertrag ein Freistaat werden sollte, und seit 1920 von französischen Truppen besetzt war, wurde 1923 von litauischen Verbänden besetzt. Am 16 Februar 1923 erfolgte mit Duldung der französischen Regierung ohne Plebiszit die Annexion des Memelgebietes durch Litauen. Ostpreußen gingen so 2708 km² verloren, von den 140.746 Einwohnern sind 71.156 Deutsche.

Am 18. September 1927 weihte Reichspräsident Paul von Hindenburg in Hohenstein (Ostpreußen) das Tanneberg-Denkmal ein. Das Denkmal erinnert an die Schlacht bei Tannenberg, in der die 8. deutsche Armee die nach Ostpreußen eingefallenen russischen Truppen vernichtend geschlagen hatte.

Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg

Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) erreicht die Front Ostpreußen. Der britische Historiker Antony Beevor beschreibt den Einmarsch der „Roten Armee“ in Ostpreußen (1944/45) als einen der grausamsten Feldzüge der Geschichte. Russische Soldaten, die auf Rache aus waren – zu den Opfern gehörten hunderttausende deutscher Zivilisten. Nemmersdorf in Ostpreußen wurde zum Symbol des russischen Vergeltungswillens, im Herbst 1944 waren 62 Frauen und Mädchen von russischen Soldaten vergewaltigt und getötet worden. „Das Schockierendste war, sicher auch aus russischer Sicht, dass die Rote Armee so außer Kontrolle geraten war, dass sogar russische und ukrainische Frauen, die als Zwangsarbeiterinnen in Deutschland waren, von den Soldaten der Roten Armee vergewaltigt wurden„, schreibt Beevor in seinem Buch „Berlin 1945 – Das Ende“.

In der Nacht des 30. Januar 1945 wurde das mit zehntausend Flüchtlingen beladene ehemalige KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ vor der pommerschen Küste von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Bei Außentemperaturen von minus 18°C und einer Wassertemperatur von 2°C starben innerhalb weniger Minuten über 9350 Menschen, darunter ca. 4000 Kinder und Säuglinge. Beim Untergang der „Titanic“ kamen 1912 etwa 1500 Menschen ums Leben.

Die Deutschen fliehen vor der heranrückenden Roten Armee, werden ermordet, verschleppt, bzw. komplett vertrieben. Insgesamt werden rund 18,5 Millionen Deutsche aus ihrer alten Heimat vertrieben, dazukommen rund 1,5 Millionen Russlanddeutsche. Der Kirchliche Suchdienst in München hat 18.367.957 Personen namentlich erfasst (Stand 21.12.1980). In Ostpreußen gelten rund 299.000 Deutsche (14 % der Einwohner) als „Nachkriegsverluste“, also als nach dem Krieg ermordet, in Lagern verhungert, in der Verschleppung umgekommen oder vermisst. Der nördliche Teil Ostpreußens fällt an die Sowjetunion, der südliche Teil an Polen.


War die Rückgabe des nördlichen Ostpreußens 1990 möglich?

Im Sommer 1990 signalisierte der sowjetische Generalmajor Geli Batenin Interesse an Verhandlungen über den sowjetischen Teil Ostpreußen, da es eine „Frage des nördlichen Ostpreußens“ gebe und fügte hinzu: „Dieses Problem werde sich für die Sowjetunion und Deutschland über kurz oder lang stellen.“ Die damalige Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) hatte jedoch kein Interesse an einer Rückgabe Ostpreußens und so antwortete der deutsche Diplomat Joachim von Arnim: „Bei der Vereinigung gehe es um die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und das ganze Berlin.“ und wenn die Sowjetunion „Probleme mit der Entwicklung des nördlichen Ostpreußens habe, so sei das ihre Sache„. Und so wurde die historische Chance zur Rückgabe, wohl auch auf Rücksicht auf Polen, vertan. (Siehe auch Spiegel-Online vom 21.05.2010: Moskau bot Verhandlungen über Ostpreußen an)

 

Städte Ostpreußens – deutsche und heutige Namen:

Litauischer Teil: Memelland

  • Memel = Klaipeda
  • Heydekrug = Šilutė

Polnischer Teil: Ermland und Masuren = Warmia i Mazury:

  • Allenstein = Olsztyn
  • Elbing = Elblag
  • Mohrungen = Morag
  • Neidenburg = Nidzica
  • Ortelsburg = Szczytno
  • Tannenberg = Stebark
  • Landbezirk Masuren = Mazury

Russischer Teil: Kaliningrader Oblast = Kaliningradskaja Oblast:

  • Brandenburg (Ostpreußen) = Uschakowo
  • Eydtkuhnen = Tschernischewskoje
  • Heiligenbeil = Mamonowo
  • Insterburg = Tschernjachowsk
  • Königsberg = Kaliningrad
  • Palmnicken = Jantarnij
  • Rominten = Krasnolesje
  • Darkehmen = Osersk
  • Tilsit = Sowjetsk
  • Trakehnen = Jasnaja Poljana

 

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Oberstufen-Altas für höhere Lehranstalten“ Gotha Justus Perthes 1914
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

 

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2 Kommentare

  1. Wolf sagt:
  2. 26. Januar 2019 um 22:55 Uhr
  3. Pillkallen, Tilsiter Straße nach dem ersten Russeneinfall
  4. Das müsste das Geburtshaus von meinem Großvater gewesen sein. Das gleiche Bild habe ich auch in einem Album mit Kriegserinnerungen gefunden.
  5. (Kommentar verschoben von Bild auf Seite)
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  7. Antworten
  8. Tanja sagt:
  9. 4. Dezember 2020 um 21:54 Uhr
  10. *DANKE!*
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