Neues am 1. April – Scherz oder Wahrheit?

Neues am 1. April – Scherz oder Wahrheit?


Ist das alles nun zum Lachen oder zum Weinen? Am ersten April stellt sich diese Frage, mit der man mittlerweile jeden Tag ringt, in besonderer Deutlichkeit. Denn auch wenn viele Geschichten an diesem Datum besser aufgehoben wären, gibt es immer noch eigene Schöpfungen dazu.

Von Dagmar Henn

Angefangen haben soll das alles, so die verbreitetste Theorie, mit dem Kalenderwechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender, in Frankreich im Jahr 1564. Ursprünglich wurde dort der Jahreswechsel nämlich nicht am 1. Januar, sondern Ende März/Anfang April begangen. Diejenigen, die am alten Termin festhielten, waren dann die Narren.

Auf jeden Fall verbreitete sich der Brauch, jemanden in den April zu schicken, also zu narren, seit Beginn des 17. Jahrhunderts auch in weitere Länder, und hat sich bis heute gehalten. Allerdings sind es schwierige Zeiten für den Aprilscherz; bei vielen ist womöglich das Einzige, was diesen Tag von allen anderen unterscheidet, dass sie die Hoffnung hegen, einige der verrückten Meldungen könnten nicht wahr sein.

In einer Welt, in der die Nachrichten aussehen wie täglich abgespulte Aprilscherze, sind Aprilscherze am 1. April überflüssig.

— Overton-Magazin (@OvertonMagazin) April 1, 2026

Aber man soll sich die Freude nicht verderben lassen, auch wenn einige Exemplare eher flach sind, wie ein kommerzielles Beispiel belegt:

Pott trifft Pizza (oder andersrum?)! NEU: Die Ofenfrische Taxiteller - belegt mit Gyros, Zaziki, Currywurst und Pommes mit Mayo - den kultigen Imbissklassiker könnt ihr jetzt auch in Form eurer Lieblingspizza genießen!Grafik: Zum Teil mit KI generiert. (Hasser werden hassen.) pic.twitter.com/Fl8kG9RCTD

— Dr. Oetker Pizza DE ? (@DrOetkerPizzaDE) April 1, 2026

Besonders aktiv war erstaunlicherweise die Polizei. Die Polizei Thüringen schickte beispielsweise ein Suchhuhn in die Luft, eine US-Polizeibehörde verkündete die Einführung einer Such- und Rettungshundestaffel aus Dackeln, und auch die Nürnberger Polizei hatte einen besonderen Einfall:

Ab April fährt im Nürnberger U3-Netz ein U-Bahn-Streifenwagen. Zwischen Großreuth und Nordwestring sind Einsatzkräfte schneller unterwegs – ohne Stau. Zuständig ist die PI Nürnberg-West (U-Bahn Zugang Gustav-Adolf-Str.). pic.twitter.com/GM72arv8Zy

— Polizei Mittelfranken (@PolizeiMFR) April 1, 2026

Schwieriger wird es naturgemäß bei den Medien. Die Weltbrachte beispielsweise eine Meldung, bei der nicht wirklich klar ist, ob es nun ein Scherz ist oder nicht (was allerdings auch damit zu tun hat, dass Bundeskanzler Friedrich Merz inzwischen so tut, als sei seine Aussage mit den 80 Prozent der Syrer, die zurück sollten, nur ein vorgezogener Aprilscherz gewesen) – die Zeitung meldet unter Berufung auf Sicherheitskreise, da Syrien eine Küste habe, könne man doch Kreuzfahrtschiffe nutzen, um Syrer zurückzubringen. Und der hessische Innenminister Roman Poseck wird dazu zitiert mit der Bemerkung, er sei "offen für alle denkbaren Wege". Nun, für begleitende Polizeikräfte wäre das sicher eine der angenehmeren Varianten.

Die Nachdenkseiten meldeten heute "Strategiewechsel – Bundesregierung fordert US-Truppenabzug aus Deutschland". Es gebe eine neue sicherheitspolitische Richtlinie von SPD und CDU, nach der man sich von den USA absetzen wolle. "Bis Ende 2027 soll der US-Militärstützpunkt Ramstein "in die zivile Nutzung überführt werden" und die rund 35.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten sollen das Land verlassen", schrieb das Portal.

Haben sie dabei an die Aussage von Donald Trump gedacht, er überlege, die NATO zu verlassen? Mag sein. Trump ist jedoch nicht nur am ersten April ein Narr, und bei ihm ist es besonders schwer, zu erkennen, was er wirklich meint, oder für wie lange.

Der Ciceroversuchte es auch mit einem Strategiepapier. Diesmal sollen Tino Chrupalla und Alice Weidel eine Zweiteilung der AfD-Fraktion geplant haben. Die "gemäßigte" Hälfte solle dann mit der CDU koalieren. Die weniger Radikalen sollten aus der AfD-Fraktion austreten und das "Bündnis der konservativen Alternative (BKA)" bilden. Zuerst solle sich die Bundestagsfraktion spalten, "die Landesverbände können, müssen aber nicht folgen. "

Die Deutsche Bahn hat es sich geschenkt, im April zu scherzen. Kein Wunder, wenn man ohnehin das ganze Jahr als trauriger Witz verbringt. Anders die österreichische Konkurrenz – die ÖBB verkündete die Einführung eines Zugs mit Sonnendeck. Im oberen Stockwerk soll bei gutem Wetter das Dach geöffnet werden können, um eine ungehinderte Panoramasicht zu ermöglichen. Sogar ein Bild wurde hinzugefügt:

Und dann gibt es, wie immer, jene, die das Scherzen am besten ganz unterlassen sollten, es aber nicht tun. Die Bundeswehr. Die Bundeswehr Hamburg plazierte eine Nachricht auf Facebook:

"Taktisches Sichtbarkeitshorn (TSH-24) jetzt im Feldversuch in Hamburg. "

Es erhöhe die Freund-Feind-Kennung durch deutliche Signalfarben; man könne auch Antennen integrieren, und beim Gegner löse die Ausstattung "eine Kombination aus Verwirrung und unfreiwilliger Belustigung aus. " Die Truppenmoral sei seit der Einführung deutlich gestiegen.

Natürlich ist die Bundeswehr in einem Dilemma. Vorfälle wie der nicht funktionierende Digitalfunk setzen die alten Lachnummern von um die Ecke schießenden Gewehren fort, oder von Panzerbrigaden ohne Panzer; andererseits wird dermaßen laut von Kriegstüchtigkeit getönt, dass eine Erklärung, man wolle sich künftig nur der Landesverteidigung widmen, nicht einmal als Aprilscherz glaubwürdig wäre. Da hilft also nur die Zähne zusammenbeißen und irgendwas mit Einhörnchen machen.

Allerdings, womöglich trifft genau das den Kern der Gegenwart. Oder dieses ersten Aprils. Ein letzter (schlechter) Scherz im Frieden, während die westlichen Regierungen am Krieg arbeiten.

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Quelle: https://de.rt.com

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