Nachruf auf meine Freundin Hermine Schmidt
Fritz PoppenbergHermi war mir seit vielen Jahren eine mütterliche Freundin. Ihre Glaubensstärke, aber auch ihre kluge Präsenz und Warmherzigkeit werden mir fehlen.

Was bleibt, sind nicht nur schöne Erinnerungen an gemeinsame Unternehmungen, sondern die Hoffnung darauf, dass sie von ihrem Schöpfer mit dem ewigen Leben belohnt wird.
Mit 18 Jahren begann für die junge Hermi ein Leben unter extrem schwierigen Bedingungen.

Als Zeugin Jehovas, damals noch "Ernste Bibelforscher" genannt, wurde sie 1944 in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig eingeliefert. Sie hatte die geforderte Treueerklärung auf den nationalsozialistischen Staat verweigert.

Auch Hermis Mutter hatte die Treueerklärung abgelehnt und war, getrennt von ihrer Tochter, in einem Zuchthaus inhaftiert worden.

Der junge Freund Hermis, Horst Schmidt, der als Kurier für die Überbringung von verbotener Literatur der Bibelforscher tätig war, war ebenfalls verhaftet und zum Tod verurteilt worden. Er überlebte denkbar knapp und heiratete nach dem Krieg seine geliebte Hermi.

1945, die russische Front kam näher, das Lager wurde evakuiert, und Hermi gelangte zusammen mit anderen Häftlingen auf einem nicht seetüchtigen Kahn nach Dänemark.

Nach Hunger und Not, Tortur und Tod, begegnete ihnen an einer fremden Küste eine im Geist der Hilfsbereitschaft ausgestreckte Hand.

Im oberen Bild sehen wir in der Mitte eine der dänischen Retterinnen, die Hermi nach über einem halben Jahrhundert wieder traf. Rechts davon Hermi. Im Jahr 2003 gab Hermi Auskunft über ihre Inhaftierung und Rettung in dem Film “Das Mädchen mit dem lila Winkel”


Der Dokumentarfilm wurde in der Berliner Urania uraufgeführt. Mit dabei: Robert Buckley, Mitarbeiter des United States Holocaust Museum Washington, Hermi Schmidt, Fritz Poppenberg und Lone Bordinggaard.

Auch der Schriftsteller Günter Grass hatte die Glaubensstärke der Zeugen Jehovas öffentlich gelobt und Hermi Schmidt eingeladen.

