Mediensozialisation

Mediensozialisation

Richard Scheglmann (www.unsere-schule.org)


Sozialisation allgemein ist der Prozess der Integration in eine bestehende Geselllschaft. Es ist ein Prozess, je länger dieser andauert, desto gesellschaftsfähiger wird ein Individuum (in der Regel).

Die Sozialisation ist der Erziehung übergeordnet. Erziehung ist, wenn Menschen versuchen auf die Persönlichkeitsentwicklung anderer Menschen Einfluss zu nehmen.

Der Unterschied ist also, dass Erziehung eine Absicht / ein Ziel hat und Sozialisation eine allgemeine Beeinflussung ist. [2]

Medien sind eine Sozialisationsinstanz von vielen. Weitere Sozialisationsinstanzen sind z.B.:

  • Familie
  • Freunde
  • Schule
  • Arbeit
  • ...

Innere und äußere Realität [1]

Innere und äußere Realität nach Hurrelmann

Die innere Realität ist was der Jugendliche jetzt ist: Körper + Geist, das was er kann und auch was er nicht kann, Wünsche! Auch Sachen der inneren Realität gehen nicht alle in die Schnittmenge über, da sie nicht so relevant sind, z.B.: ein Traum.

Die äußere Realität ist was außerhalb liegt aber den Jugendlichen beeinflussen kann. Umfeld und auch Erwartungen, die jemand an den Jugendlichen stellt. Es kann aber etwas in der Umwelt sein, dass ihn überhaupt nicht interessiert, dies wird nicht in die Schnittmenge kommen und nicht zu seiner Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

Die Schnittmenge muss verarbeitet werden. Die Schnittmenge ist die Persönlichkeitsentwicklung, etwas von beiden Realitäten.


Mediensozialisation und Medienerziehung

Bei der Mediensozialisation wird gefragt, welchen Einfluss Medien auf die Sozialisation haben.

Die Medienerziehung will also Einfluss auf das Verhalten von anderen Menschen nehmen, wie diese mit Medien umgehen, es ist keine Erziehung durch Medien!


Entwicklungsaufgaben

Havighurst [3] hat das Konstrukt der Entwicklungsaufgaben eingeführt, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Entwicklung von Kindern bewältigt werden müssen. Werden die Aufgaben erfüllt, führt dies zu einem Zufriedenheitsgefühl, wenn nicht, dann können die Kinder unglücklich sein oder von der Gesellschaft missbilligt werden.

Beispiele für Entwicklungsaufgaben:

  • Aufbau Beziehungen zu Gleichaltrigen des eigenen und des anderen Geschlechts
  • Übernahme der männlichen bzw. weiblichen Geschlechterrolle
  • Akzeptieren des eigenen Körpers und dessen effektiver Nutzung
  • Loslösung und emotionale Unabhängigkeit von den Eltern
  • Ökonomische Unabhängigkeit von den Eltern
  • Berufswahl und -ausbildung
  • Vorbereitung auf Heirat und Familie
  • Entwicklung sozialverantwortlichen Verhaltens


Bei diesen Entwicklungsaufgaben spielen Medien eine Doppelrolle:

  • Medien können z.B. beim Aufbau von Beziehungen helfen, wenn Kinder Videos von "Meine Freundin Conny" oder "Caillou" anschauen, in denen oft das Thema Freundschaft thematisiert wird.
  • Auch bei der Übernahme von Geschlechterrollen können Medien verschieden Stile aufzeigen, die womöglich im Umfeld des Heranwachsenden nicht vorhanden sind.
  • ...

Identitätsentwicklung [4]

Die äußere Autorität der Eltern hat abgenommen, Kinder können mehr eigene Meinungen haben. Die Identitätsentwicklung wird von Jugendlichen immer mehr selbst beeinflusst -> siehe Selfie-Kultur und weniger vom Elternhaus und dem direkten Umfeld.

Die Identitätskonstruktion wird durch Medien stark beeinflusst. Jugendliche haben mehr Möglichkeiten sich zu definieren. Ich bin jemand, ...

  • der gerne am Computer spielt
  • der sich auf sozialen Medien einbringt
  • der alles über eine Fernsehsendung weiß
  • ...

Auch eine mit der Identitätsentwicklung einhergehende Unsicherheit des eigenen Auftretens kann durch soziale Communities reduziert werden. Diese Zusammenschlüsse geben Heranwachsenden vor, wie man zu sein hat:

  • Facebook, Computerspiele, YouTube, ...

Des Weiteren können Jugendliche ihr eigenes Profil im Wandel der Zeit betrachten (z.B.: Facebook Timeline) und wissen so, wer sie sind, haben einen Platz in der Gesellschaft und die Eltern sind nicht mehr selbstverständlich das Vorbild.

Diese Selbstdarstellung auf Plattformen im Internet wird aber unterschiedlich von Peers, Eltern, Lehrern, ... wahrgenommen:

Peers könnten bei einem Facebook / Whats App Profil erwarten, dass der Freund / die Freundin immer erreichbar ist = always on, Eltern würde dann vielleicht auf eine Computersucht schließen und Lehrer, dass der Schüler womöglich nur am Chatten ist. Diese Erwartungen alle zu erfüllen ist für Jugendliche ein Problem der Medien.

Somit gibt es einen Vielzahl von Teilidentitäten, denen man versucht, gerecht zu werden. Als Freund bin ich immer erreichbar, dennoch habe ich noch Zeit für andere Sachen und habe keine Onlinesucht.


Fazit

"Mediensozialisation kann zur Entfaltung, aber auch zur Einschränkung der Potenziale des Individuums führen. [...] Es kann festgehalten werden, dass Mediensozialisation im Sinne des Hineinwachsens in eine mediatisierte Gesellschaft den meisten Heranwachsenden gelingt." [3]



  • [1] Hurrelmann 2002, Einführung in die Sozialisationstheorie
  • [2] Gudjons 2016, Pädagogisches Grundwissen
  • [3] Süss 2018, Medienpädagogik
  • [4] Mooser 2019, Einführung in die Medienpädagogik: Aufwachsen im digitalen Zeitalter
  • Videointerview mit Klaus Hurrelmann über Sozialisation