[Update] Mastodon verändert sich

[Update] Mastodon verändert sich

KaptainRio

Vor genau 279 Tagen bin ich durch Zufall zu Mastodon gekommen. Ich war begeistert, denn es war das, was ich eigtl. schon lange suchte und endlich gefunden habe, nämlich eine Alternative für Twitter. Über norden.social gelangte ich zu meiner eigenen Instanz, die ich aus privaten Gründen dann aber leider aufgeben musste und endete auf social.anoxinon.de, wo ich derzeit auch als Moderator tätig bin.

Es war anfangs so anders als auf Twitter. Eigtl. so wie es in den Anfangszeiten auf Twitter mal war. Keine Fame-User, keine Elite-Schreiberlinge, man bekam Feedback auf seine Toots (bekommt man heute noch), es galt ein freundlicher Umgangston mit Respekt vor dem Gegenüber etc. Es hat mir sehr gefallen. Leider liegt die Betonung auf "hat". Denn es gefällt mir derzeit nicht mehr so wirklich gut.

Habe schon länger darüber gegrübelt, woran das liegen mag und bin FÜR MICH zu einigen Ergebnissen gekommen.

Für einen technikaffinen User sind dezentrale Projekte eher simpel zu bedienen. Das ist genau so wie bei Messengern. Man muss bei einigen sicheren Messengern schon etwas Hand anlegen. Für einen nicht technikaffinen Nutzer sind das aber zum Teil unüberwindbare Hürden. Das ist nicht schlimm und nicht unnormal. Sondern ganz im Gegenteil. So hat jeder sein Thema wofür er sich interessiert. Egal ob es Programmieren ist oder Stricken. Ständig wird sich auf Mastodon darüber beklagt, dass die Menschen nicht zu dezentralen Plattformen wechseln, dass die Menschen nicht zu sicheren Messengern wechseln. Dabei wäre es so einfach, VEREINFACHT DIE BEDIENUNG ... Problem gelöst.

Bei diesen ganzen Datenschutzorientierten Projekten stört mich am meisten, dass sie für den 08/15 Internetuser zu kompliziert sind. NICHT NUTZERFREUNDLICH. Das ist auch der Grund warum es heißt, dass sich bei Mastodon überwiegend Nerds rum treiben. Was ja auch irgendwie so ist. Da wird der Gaul vom Arsche aus aufgezäumt. Man will Datenschutz für die Masse, macht es aber nicht für die Masse Nutzerfreundlich. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Und erhebt man einmal das Wort gegen diese sicheren Plattformen, kommt das einer Gotteslästerung gleich. Da gibt es diese Hardcore-Nerds, selbsternannte Datenschützer & Co, die zum Teil hart an der Grenze zu Verschwörungstheorien wandeln und dabei drohen, in ihre eigene Fantasiewelt abzudriften. Für diese Personen scheint es nur noch schwarz und weiß zu geben. Oh heiliger Snowden, man soll keine anderen Götter haben neben dir ....

Das Schlimme daran ist ja, dass da einige Kandidaten dabei sind, die sich dann teilweise sogar persönlich angegriffen fühlen wenn man es denn mal wagt, eine andere Software/Messenger zu nutzen als auf ihren persönlichen Whitelists steht und sie dann auch sehr schnell unfreundlich und gelegentlich auch unter der Gürtellinie reagieren.

Es wird immer so viel von Toleranz gesprochen. In den letzten Jahren habe ich aber oftmals erfahren dürfen, dass es zwar Toleranz gibt, aber sie bei jeder Person ihre Grenzen hat. Diese Grenzen sind bei jedem vorhanden. Man muss nur das für diese Person richtige Thema finden, dann hat das Thema Toleranz ganz schnell ein Ende. Ein Schelm wem da das Wort "Heuchelei" in den Sinn kommt.

Das ist ehrlich gesagt, der Hauptgrund der mir derzeit ziemlich die Stimmung auf Mastodon verhagelt. Da gibts aber noch ein paar Kleinigkeiten wie z.B. die Hashtagfaulheit die mir auf Mastodon extrem auffällt.

Hashtags gehören nun mal zu einem sozialen Netzwerk, damit daraus nicht ein Haufen undurchsuchbarer Müll wird. Aussagen wie "Ich brauche keine Hashtags, deswegen benutze ich keine" .... Da fällt mir nichts mehr zu ein. Man nutzt Hashtags nicht für sich selbst, sondern damit andere die zu einem Thema etwas suchen, auch etwas finden. Desweiteren, um anderen auch die Möglichkeit zu geben, bestimmte Themen die sie nicht interessieren, stumm zu schalten. Oft blieb mir schon keine Wahl und ich musste ganze Profile stumm schalten weil diejenigen nicht in der Lage waren, ihre Beiträge mit Hashtags zu versehen. Es ist für mich einfach unverständlich. Zu viele Hashtags in einem Beitrag sind nicht toll, gar keine Hashtags sind jedoch noch bekackter.

Dann nervt es mich an, dass wirklich so immens viele User nicht in der Lage sind, die Funktion "Inhaltswarnung" korrekt zu benutzen. Dabei liegt die Erklärung doch schon in der Bezeichnung der Funktion. Nämlich "INHALTSWARNUNG". Es bedeutet nicht, eure Beiträge mit Überschriften wie "Food Content" oder "Wetter" etc. zu versehen. Dafür sind Hashtags da !!!!

Und als nächstes Hauptthema nervt mich der extrem zugenommene politische Content total an. Weit über 50 % meiner ungefilterten Timeline besteht aus Politikinhalten. Wäre ja kein Ding eigentlich, wenn dann wenigstens Hashtags benutzt würden. Ihr erinnert euch, die Hashtagfaulheit ?

Insgesamt sind bei mir die Filterliste und die Liste der stumm geschalteten Accounts um ein Vielfaches länger als bei Twitter. Das finde ich nicht nur schade, sondern erschreckend. Ich muss dazu sagen, dass dafür die Blockliste um ein Vielfaches geringer ist als auf Twitter ;)

Ich will aber diesen Text nicht nur mit negativem Inhalt stehen lassen. Denn Mastodon hat trotzdem viel viel mehr Positives als Negatives. Es ist für mich noch immer das beste soziale Netzwerk im Netz. Darüber muss man nicht diskutieren. Neben den oben genannten Personen gibt es auch sooooo viele tolle, nette, freundliche und auch mir ans Herz gewachsene Menschen auf Mastodon, die ich auch gar nicht mehr missen möchte. Es ist nicht alles nur Nerdkram, es ist nicht alles nur Politik. Ich habe unzählige Tage und Nächte tolle Gespräche geführt, gelacht, mitgefiebert, die ein oder andere Träne weggedrückt, Menschen motiviert, mich von Menschen motivieren lassen, mich 237 mal verliebt *gg* und so viel tolles mehr.

Und deswegen fällt mir auch folgendes wirklich nicht leicht. Ich bin seit einiger Zeit am Überlegen, meine Aktivität auf Mastodon stark einzuschränken oder evtl. auch erstmal komplett einzustellen. Denn wo Mastodon mir anfangs wirklich nur gute Gefühle bescherte, beschert es in den letzten Monaten steigend Frust, Ärger und Kopfschütteln. Da habe ich keinen Bock drauf und das tut mir auch nicht wirklich gut. Ich möchte nicht weg von Mastodon. Meine Accounts bleiben stehen. Aber ich glaube, ich brauche eine Pause.

Ich weiß auch, dass dieser Text ziemlich polarisierend ist und mich da nun sicher einige Leute verfluchen. Das macht nichts, ich habe noch nie gerne ein Blatt vor den Mund genommen und sage das was ich denke. Mit den Reaktionen kann ich gut leben.

Wer mich nun muten, blocken oder entfolgen möchte, der soll dies tun. Für die die es nicht tun "Daumen Hoch".

Sollte ich mich zurückziehen von Mastodon, bin ich natürlich immer über Telegram zu erreichen. Ne ganze Menge meiner Follower habe ich da ja schon in meinen Kontakten :)

In diesem Sinne :) KaptainRio

Update und Fazit einen Tag nach Veröffentlichung

Wow, das war ja was gestern. Aus "Ich schreibe mir das mal von der Seele" wurde dann eine abendfüllende Aktion mit wirklich großem nicht erwarteten Feedback. Wie ich ja schon oben schrieb, polarisierte dieser Text doch sehr. Von kompletter Zustimmung bis zu "ich blocke dich" war alles vertreten. Und das finde ich gut. Es ist ein Gespräch entstanden, es sind Gedanken angeregt worden und vielleicht hat es bei einigen auch ein kleines Umdenken bewirkt.Damit hat sich dieser Text eigtl. schon gelohnt zu schreiben.

Auf jeden einzelnen Kommentar kann ich hier nicht eingehen, das ist einfach zu viel gewesen. Ich habe aber gestern und auch heute über viele Kommentare nachgedacht und möchte einige Sachen ansprechen, die in mehreren Kommentaren angesprochen wurden.

Es wurde angemerkt, dass der Text doch sehr negativ rüber kam. Nachdem ich den Text dann noch mehrere male selbst gelesen habe, sehe ich das auch so. Aber, ist das falsch ? Ich habe über Dinge geschrieben die ich nicht gut finde, sowas klingt nicht immer positiv. Außerdem sollte der Text schon meine Unzufriedenheit wiedergeben. Ich denke, es ist ok so wie es ist.

Der nächste Punkt den ich ansprechen möchte ist, dass mein Text bei einigen als Angriff auf Mastodon wahrgenommen wurde. Das war so nicht gemeint und sollte so auch nicht rüber kommen. Unterm Strich geht es eigtl. lediglich darum, die Technick und die Usability von datenschutzorientierter Software, dezentralen Projekten, Messengern etc. zu verbessern und vor allem zu vereinfachen, damit auch Menschen die sich nicht ständig mit Technik beschäftigen oder/und Menschen die kein Englisch können, solche Angebote nutzen können und es für sie attraktiver wird. Mastodon habe ich hier im Text einfach nur stellvertretend für all diese Plattformen, Anwendungen etc. genommen.

Zum Einen beschweren sich seit ich bei Mastodon bin viele Leute darüber, dass doch die Menschen endlich solche freien Angebote nutzen sollen und man nicht verstehe, warum das "so wenig" tun. Man weigert sich da aber auch diesen Menschen entgegen zu kommen und erwartet, dass sich die potentiellen Nutzer tiefer in das Thema einarbeiten. Man muss sich nicht mit Fachausdrücken von A, B oder C abgrenzen. Man muss sich nicht mit verkomplizierten technischen Einstellungen abgrenzen. Das ist der komplett falsche Weg. Ich weiß, das diese meine Meinung nicht von allen geteilt wird, aber zum Glück kann man in unserem "schönen" Land seine Meinung noch meistens frei äußern.

Was ich gestern nicht gut fand waren einige Feedbacks die schon radikal, respektlos und unter der Gürtellinie waren. Ich habe überlegt, ob ich das hier ansprechen soll, da solch ein Feedback einfach nur armselig ist und keinerlei Beachtung verdient. Aber trotzdem wollte ich es kurz ansprechen. Denn genau von diesen radikalen Personen habe ich oben in meinem Text von gestern schon gesprochen. Seid ihr denn zufrieden mit euch ? Was gibt es euch, so intolerant und radikal zu agieren und nach außen hin von Toleranz zu reden ? Ich wünsche euch, dass ihr von dieser nicht wirklich lobenswerten Verhaltensweise irgendwann den Absprung schafft und lernt, dass man vielleicht andere Meinungen nicht annehmen muss, aber sie dennoch tolerieren kann.

Und der letzte Punkt den ich ansprechen möchte ist, dass es Feedback gab der besagte, ob ich mich selbst vielleicht verändert hätte. Gestern auf die Kommentare antwortete ich da eher allgemein drauf ohne genau darauf einzugehen. Aber auch hierzu habe ich mir Gedanken gemacht. Ich denke schon, dass auch ich mich verändert habe. Die anfängliche Mastodon-Euphorie ist gewichen, das was man sich wünscht, aber nicht so ist, springt einen stärker an und bewirkt natürlich auch mehr in einem. Aber ist es nicht auch das, was evtl. zu Veränderungen führen kann ? Trotzdem habe ich heute meine Timeline radikal um 1/3 gekürzt. Darunter Follower die mir nicht gut tun, zu denen ich sogut wie keinen Kontakt habe und Follower die Themenschwerpunkte haben die mich so gar nicht interessieren. Ich bin noch nie wirklich jemand gewesen, der sich über die Followeranzahl in seinem Account identifiziert hat. Auch nicht damals drüben auf Twitter. Daher ist mir dieser Schritt auch nicht zu schwer gefallen. Ich möchte nun erstmal schauen wie es mir mit der neuen Timeline ergeht und gefällt und werde dann noch mal neu beurteilen ob ich mir eine Auszeit gönne.

Jetzt habe ich aber noch ein bestimmtes Thema auf der Latte. Und zwar wollte ich auf keinen Fall irgendeine Menschengruppe hier verunglimpfen. Wenn ich den Begriff "Nerds" benutze, dann meine ich das nicht abwertend. Genauso wenig wollte ich mit diesem Text gegen Admins oder Entwickler schießen. Wenn das so rüber kam, möchte ich mich dafür zutiefst entschuldigen. Denn das war nicht meine Absicht.

Und nun hoffe ich, dass ihr gut durch die Woche kommt.