Lehrt uns die Schule "Wichtiges" ?

Lehrt uns die Schule "Wichtiges" ?

Kommentar Schüler*innenbeispiel

"Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen."

Dieser Tweet wurde auf Twitter von einer Schülerin, namentlich Naina, veröffentlicht und wurde hitzig diskutiert und umstritten, wie schon viele Male. Er umschreibt was viele Schüler denken aber vielleicht nicht öffentlich aussprechen.

Ich beispielsweise kann Parabeln weiß Gott wievielter Ordnung ausrechnen, aber ebenfalls habe ich keinen blassen Schimmer wie ich bspw. Steuerklärungen auszufüllen habe.

Dass Sie dies nun so ausdrückt und veröffentlicht? Chapó. Du, Naina, hast dich darauf gefasst gemacht eine Debatte von jeher wieder anzufachen. Danke? Danke das du das gemacht hast? So ironisch das jetzt klingen mag, mein ich das ernst. Es gibt schließlich Leute die sich damit noch nicht auseinandergesetzt haben, zum einen, weil es sie nicht betrifft, zum anderen, weil sie zu faul sind.

Was ist nun an ihrem Tweet wahr?

Als Schüler muss ich beantworten: Nicht unbedingt alles.

Ja, ich kann Gedichtsanalysen schreiben, zwar heißen sie bei uns Textbeschreibung Lyrik, aber das tut nichts zur Sache. Tatsache ist, dass mir diese Analysen etwas nützen. Ich setzte mich damit auseinander, wie ein Text aufgebaut ist, welche sprachlichen Mittel verwendet werden und wie der Autor sich in diesem Textstück ausdrückt, im Hintergrund aber eine große Thematik anspricht, Ereignisse kritisiert oder weiß ich nicht was macht. Ich bekomme ein Gefühl für das "Zwischen-den-Zeilen-lesen", erhasche Gedanken, die ich ohne diese jahrelange Auseinandernehmung von Texten wahrscheinlich nie gewonnen hätte und kann, wichtiger als dies, ebenso etwas verfassen, was diesen Standard, bzw. dieses Niveau, innehat. Denk ich zumindest.

Dass du, Naina dies nun in vier Sprachen kannst? Respekt. Bist du auf einer Schule für Hochbegabte? Ich kann eine Gedichtsanalyse am Besten auf Deutsch, meiner Muttersprache, verfassen, und ganz akzeptabel auf Englisch. Dann habe ich noch eine zweite Fremdsprache, die ich aber gerade erst erlerne.

Und ich bin 17, gleich alt wie du. Nochmals, bist du hochbegabt?

Was ich jetzt nicht so prickelnd finde, ist das du Textanalysen so negativ darstellst. Sie formen eine Art und Weise zu Denken, genauso wie Wissenschaften. Was ist also daran schlimm?

Sie stellt sie als schlimm dar, weil sie sie in Kontrast mit dem stellt, was man in der Schule nunmal nicht lernt. Steuern, ... obwohl ich lerne, was Steuern sind. Das zählt nicht.

Miete, ... nein ich lerne auch, was eine Miete ist. Versicherungen, ... ich lerne auch, was Versicherungen sind.

Irgendwas ist an dem Tweet merkwürdig. Sie sagt, sie "hätte keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen". Hast du im Unterricht aufgepasst Naina? Höchstwahrscheinlich in den Sprachen, sonst könntest du keine Analysen schreiben. Aber wohl eher nicht in Wirtschaftskunde, oder? Dort wird das nämlich vermittelt. Was das ist. Oder meinst du, das du keine Ahnung hast, wie du mit Mieten, Steuern, usw. umgehst, wie du, im Zusammenhang mit Mieten, einen Mietvertrag abschließt, ... ?

Ja das wird nicht gelehrt, da hättest du Recht. Aber wenn du dies meinst, dann drück dich präziser aus. Du kannst doch ganz gut schreiben, also wird eine präzise Ausdrucksweise doch kein Problem für dich sein ?

Einfach nur zu sagen: "Ich habe keine Ahnung von wichtigen Dingen, kann aber andere Dinge, die ich nie wieder brauche (obwohl sie unbemerkt meinen Horizont erweitert haben)", ist nicht hilfreich, ja es ist nichteinmal konstruktiv. Einfach nur Dinge zu behaupten, wahrscheinlich auch so vage, wie ich es gerade gemacht habe, um dies zu verdeutlichen, kann jeder, sie zu belegen muss geübt sein. Moment mal, meinst du nicht das du das kannst?

Solche, wie ich sie nennen würde, "Affektaussagen", sind einfach und unkompliziert getroffen, jedoch auch unüberlegt. Es ist einfach sich zu beschweren, ich mache dies ja auch ab und zu, gerade weil es so einfach und bequem ist. Aber deshalb (und vielleicht als eine Art Ausgleich) sollte man, erst Recht, wenn man etwas im Internet veröffentlicht, über das was man schreibt nachdenken. Oder erst gar nicht den sozialen Medien beitreten. Aber das wäre die letzte Maßnahme, schließlich können die sozialen Medien durchaus nützlich und bereichernd sein.

Ich denke, sie hat gezeigt, dass man alle Themen, so durchgekaut sie vielleicht auch sein möchten, einfach in die Mikrowelle legen und kurz wieder warm machen kann. Damit sich Leute darüber beschweren oder sich hinter die Aussage stellen und ein auf das andere Mal darüber debattieren.

Gleichzeitig denke ich aber auch, dass Bildung, wie wir sie genießen, uns mehr lehrt als es auf den ersten Blick vielleicht erscheint. Und das es Dinge gibt, die uns die Schule nicht lehren kann, aber eigene Erfahrungen schon.

Nun ist nur die Frage wie wir das, was Schule und Erfahrungen uns lehren, umsetzen.

Nun persönlich an dich Naina: Frag mal deine Eltern, sie dürften über das eine oder andere Wissen verfügen, das sie bestimmt gerne mit dir teilen. Bildung kommt wie gesagt nicht nur von der Schule.