Fast 24 Stunden Berlin
P. I.
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Am Mittwoch, den 21.04.2021 fand die Abstimmung zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes statt, eine Demo war geplant. Also ab nach Berlin.
Wir entschieden uns, bereits am Vortag anzureisen, da es sich bei der Polizei eingebürgert hat, Zufahrten zu den Städten zu sperren und Demonstranten nicht mehr in die Städte einfahren zu lassen. Darum hatten wir am Abend noch Zeit eine kleine Runde über das Brandenburger Tor und um das Regierungsviertel zu drehen.
Es war nicht viel los für eine Millionenmetropole. Wir sind ohne Abstand und Maske durch die Gegend gezogen und sind dabei auch einigen Polizisten begegnet. Eigentlich haben wir damit gerechnet sofort angesprochen zu werden, was aber nicht der Fall war. Im Gegensatz zu der Kleinstadt, in der ich lebe, wo sich sofort ein Blockwart berufen fühlt mich zu denunzieren, sobald ich keine Maske trage, hat das in Berlin keinen interessiert. Die Passanten nicht und auch die Polizei nicht. Auffallend war die bereits großzügige Absperrung des Reichstages und des Bundeskanzleramtes.
Der nächste Morgen brach an und der Gott des Wetters war uns gewogen. Strahlender Sonnenschein und eine angenehme Temperatur. Idealbedingungen für eine Demonstration.
Einmal quer durch den Tiergarten und schon sind wir auf der Straße des 17. Juni. Zuerst bin ich überwältigt von dem enormen Polizeiaufgebot. Überall Polizei. Die Demonstranten strömen Richtung Kreuzung und die Polizei kontrolliert Atteste zur Befreiung der Maskenpflicht. Dies machen sie höflich, meckern auch nicht über die Atteste und sind auch mit geschwärzten Exemplaren zufrieden. So richtig schön nach Vorschrift. Ich dachte das gibt Anlass zur Hoffnung. Aber eine Schwalbe macht bekannterweise auch noch keinen Sommer.
Es gab eine Bühne Richtung Brandenburger Tor, eine in Richtung Siegessäule und in der Mitte wurde im Laufe des Vormittages auch noch ein Transporter zur Bühne umgerüstet. Die Demonstranten liefen zwischen den zwei Bühnen hin und her. Die Stimmung der Menschen war so gut wie das Wetter. Einige hatten sich in die angrenzenden Grünstreifen gesetzt, manche legten sich sogar hin und ließen sich die angenehme Frühlingssonne ins Gesicht scheinen. Die Polizei stand an allen Zugängen zum Tiergarten, vor allem sehr Präsent in Richtung Bundestag. An der Bühne Richtung Siegessäule, kam irgendwann Bewegung. Polizei in Gruppen marschierten im Laufschritt dorthin, um die Linie zu sichern, damit es keinen Durchbruch gibt. Die Demonstranten pfiffen und schrien, aber mehr war da auch nicht. Es strömten immer mehr Demonstranten auf die Straße. Allerdings, bei diesem enormen Polizeiaufgebot hätte auch ein Drittstaat aufmarschieren können. Das hätte keine Rolle gespielt.
Kurz nach der Mittagszeit veränderte sich etwas. Zuerst konnte ich es nicht richtig erfassen was es war, bis mir auffiel, dass die Polizisten fast alle verschwunden waren. Eine gefühlte viertel Stunde war dies so, bis die Ordnungsmacht mit der Vollschutzmontur aufmarschierte. Ich denke es war Schichtwechsel. Interessanterweise hat die Polizei für die zweite Schicht wesentlich aggressivere Beamte eingesetzt. Die Stimmung kippte spürbar. Es stellt einen Unterschied dar, ob ein Polizist einen ignoriert, oder sogar mit den Augen anlächelt, in Gruppen beieinandersteht und tratscht oder ob er dich mit angespannter aggressiver Körperhaltung anschaut, als ob er gleich ein Stück Fleisch aus dir rausreißt. Das wirkt auf mich als normaler durchschnittlicher Bürger sehr bedrohlich. Das baut Stress auf, auch bei mir. Für diese Fälle habe ich mir ein kleines Spiel ausgedacht. Ich stelle mir die männlichen Polizisten nackt vor und vergebe wie ein Preisrichter Punkte von 0 bis 10. Wobei 0 ein „Naja“ darstellt und eine 10 ein glattes „Aber Hallo!“. Das funktioniert, probiert es aus!
Ab da begann das übliche Spiel. Obwohl die Situation genau die gleiche war wie vorher, fing die Polizei an, über fehlendem Abstand und Maske zu meckern, die Demonstranten pfiffen. Die Polizei wollte auflösen, die Demonstranten wollten das natürlich nicht. Wasserwerfer wurden aufgefahren und die Polizei setzte die Helme auf. Von hinten sehen die Polizisten für mich immer aus wie Lord Helmchen. Ich stand mit vielen anderen an den Absperrungen vor dem Brandenburger Tor. Die Polizei rief aus, wir sollen Richtung Tiergarten die Straße verlassen und uns auf den Heimweg machen. Die Demonstranten sahen das verständlicherweise ganz anders. Und blieben stur und friedlich stehen. Einige zogen sich bereits Regenumhänge an. Schließlich weiß man was kommt.
Aus dem Tiergarten wurden Schreie laut, immer wieder. Auch dort waren bereits viele Menschen. Also hin und was ich da zu sehen bekam, hatte was von Menschenjagt der besonderen Art. Polizeitrupps in der Stärke von 10 – 15 Man rannten im Gänsemarsch in die Menge und zogen einzelne Menschen raus. Der Grund war mir schleierhaft und auch nicht erkennbar. Sie rissen die Personen einfach zu Boden und transportierten sie sehr brutal ab. Selbst vor dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock haben sie nicht zurückgeschreckt. Auch mit den Fäusten schlugen die Beamten völlig hemmungslos zu. Gegen friedliche Menschen, die sich nicht gewehrt haben.
Inmitten der Menschen befanden sich Zivilpolizisten. Sie versuchen sich zwar hinter ziviler Kleidung zu verstecken, fallen aber in so einem Haufen bunter Demonstranten auf. Zwei Arten von Zivilpolizisten waren im Einsatz. Die eine Sorte provoziert und versucht die Demonstranten zur Gewalt zu animieren. Die andere Gattung ist stiller Beobachter. Sie beobachten ruhig die Menschenmasse, während alle anderen hektisch um sich schauen. Besonders fallen sie auf, weil sie keinem Abtransport von Ergriffenen zuschauen. Ab und an legen sie die Hand über den Mund und reden ohne dass die Umstehenden dem Gewahr werden. Lustig finde ich immer wieder, dass sie mit Absicht ihre eigenen Leute verhaften, soll wohl den Sinn haben, dass der Rest Angst bekommt und das Feld räumt. Interessant war auch, dass genau die Truppe, die mit dem Pfefferspray um sich sprühte, andere Helme hatten. Als Kinnschutz hatten sie sowas wie Filter. Also alles geplant! Wie eine Choreografie. Das ist bei friedlichen Menschen auch kein Problem. Müssen sie sich doch am Ende ihrer Schicht keine Sorgen über ihren Zahnbestand im Mund machen oder dass ein paar extra Löcher ihren Körper zieren. Ganz im Gegensatz als beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen oder bei gewaltbereiten Demonstranten wie zum Beispiel der Antifa.
Hinter der Mauer vom Tiergarten standen die Hundeführer der Polizei mit ihren Hunden. Die Hunde waren außer Rand und Band, fletschen die Zähne, bellten und die Hundeführer haben sie auch noch angestachelt. Glücklicherweise waren sie mit Maulkorb und Leine gesichert. Ich mag mir nicht mal im Ansatz vorstellen, was für einen Flurschaden solch ein Angriffsrudel verursachen kann. Ein Demonstrant stand mit seinem Hund neben mir. Der Hund, ein mittelgroßer Mischling war nur am Winseln. Ganz offensichtlich machte er sich bei der aggressiv bellenden Meute hinter der Mauer genau die gleichen Sorgen wie ich.
Eine Gruppe von Polizisten war richtig auffällig. Sie liefen langsam im Tiergarten im Gänsemarsch umher. Das besondere an ihnen war ihre Körperfülle. Ich dachte immer, dass es eine Grenze beim Körpergewicht gibt bei der Polizei. Aber anscheinend wurden in diesem Bezug genauso die Hürden gesenkt wie beim Deutschtest. Mittlerweile gibt es bei der Berliner Polizei ein Berufsvorbereitungsjahr, damit Bewerber beim Einstellungstest, den Deutschtest bestehen können. Dabei ist dieser Einstellungstest nicht zu schwer. Aber vielleicht ist das gewünscht. Söldner, die Zusammenhänge nicht mehr erfassen können, Hinterfragen nicht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass auch nur einer aus dem Trupp es bewerkstelligen kann, länger jemanden zu verfolgen. Dementsprechend war auch ihre Opferauswahl. Sie wählten gezielt schwächere, körperliche nicht so ganz fitte Menschen aus, um sich anschließend mit vollem Gewicht auf deren Körper niederzulassen. Dabei hätte schon allein das massive Körpergewicht der Beamten ausgereicht, um Rippen brechen zu lassen.
Immer wieder sind die Sturmtruppen in den Tiergarten gestürmt und griffen sich die Menschen wahllos raus. Auf der Straße des 17. Juni haben sich die Demonstranten hingesetzt und wurden Einzeln weggetragen. Mit ihnen wurde humaner umgegangen als mit den Demoteilnehmern im Tierpark. Konnte vielleicht daran liegen, dass unsere zwangsfinanzierten Medien auf dem Dach des Gebäudes neben dem Brandenburger Tor, mit ihrer Kamera Stellung bezogen hatten. Dokumentierte sinnlose überbordende Polizeigewalt, kommt nicht mal in den Main Stream Medien gut an. Die Medien haben die Polizei mit ihren Gefangenen erst zu Gesicht bekommen, als diese aus dem Tierpark heraus zu den Polizeiautos gebracht wurden. Die hässlichen Szenen das friedliche Menschen auf dem Boden geworfen wurden, Schlagstock, Fäuste und Pfefferspray zum Einsatz kamen, fanden alle außerhalb des Blickfeldes der Zwangsfinanzierten öffentlichen Medien statt.
Ich frage mich schon, was in den Köpfen der Polizei vorgeht. Es hat schon was Schizophrenes auf der einen Seite freundlich zu kontrollieren und auf der anderen Seite genau die gleichen Menschen derart sinnlos mit Gewalt zu überziehen. Allein Zivilpolizisten, die sich in einer friedlichen Menschenansammlung als Aggressor aufführen ist so sinnvoll wie Symptomlose zu testen.
Auch war sehr auffallend, dass die Polizei sich gegenüber der Presse sehr rüpelhaft benommen hat. Hemmungslos haben sie geschubst und wirklich intellektuell fragwürdige Antworten gegeben. Ich hatte den Eindruck, dass sie es gezielt auf die Reporter, die allesamt nicht dem Main Stream angehören, abgesehen hatten. Wenn man freie Journalisten anfängt zu misshandeln, nur weil einem selbst die Berichterstattung nicht gefällt und Straftaten der Polizei zu Tage gefördert werden, sollte man sich schon fragen, ob man nicht den Beruf verfehlt hat. Was ich in Berlin und leider auch schon bei anderen Demonstrationen gesehen habe, hat mit dem Polizeiberuf in meinen Augen wenig zu tun.
Was erzählen diese Polizisten nur am Ende des Tages zuhause ihrer Familie. Fühlen sie sich als toller Hengst, weil sie hinterrücks einen alten einarmigen Mann von der Bühne gezerrt haben. Verschafft es ihnen persönliche Befriedigung, alte Frauen auf den Boden zu werfen und zu misshandeln. Was geht nur in diesen Köpfen der Polizisten vor? Denken sie wirklich, dass wenn sie das Grundgesetz mit Füßen treten, die Bevölkerung schützen. Und wenn ja, vor was?
Eigentlich sollte die Polizei die Bevölkerung schützen. Es ist nicht verhältnismäßig, friedliche Menschen aller Altersklassen zu misshandeln, nur weil sie gegen Maßnahmen demonstrieren, denen jedes Augenmaß fehlt. Eine fehlende Maske ist eine Ordnungswidrigkeit. Muss man jetzt damit rechnen, dass jeder Falschparker in der Stadt von Polizisten im Kampfanzug zu Boden gerissen und mit Pfefferspray und Schlagstock behandelt wird.
Wenn Unrecht zu Recht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht. Das gilt ganz besonders für die Executive, denn es liegt in deren Händen, ob sie für den Bürger da ist oder für ein Regime. Gerade von der Polizei erwarte ich, dass sie in der Lage ist Unrecht von Recht zu unterscheiden.