Sieben
Ich war mal eine Malerin.
Ich malte Himmel voller Sterne.
Ich malte Blumenwiesen und Tiere
und Kinder mit Laternen.
Und alle waren ganz beeindruckt
und wünschten sich ein Bild zu kriegen.
Doch dann passierte eine Sache.
Ich wurde plötzlich sieben.
Ich war mal eine Läuferin,
die schnellste weit und breit.
Ich gewann sogar gegen Papa.
Und niemand maß die Zeit.
Wenn andere gingen, dann rannte ich
für das Rennen, nicht fürs Siegen.
Doch dann passierte eine Sache.
Ich wurde plötzlich sieben.
Ich war mal eine Tänzerin.
Und alle sagten mir, ich kann das.
Ich hab mich jeden Tag verrenkt,
aber nie für jemand anders.
Mir war egal, was Leute dachten.
Ich war nach Tanzen voller Liebe.
Doch dann passierte eine Sache.
Ich wurde plötzlich sieben.
Mit sieben wurde alles anders.
Mit sieben waren Sachen peinlich.
Mit sieben malte man nicht mehr
und man tanzte nur noch heimlich.
Mit sieben wurden Zahlen wichtig
auf Stoppuhren und Zeugnissen.
und Meinungen von anderen Leuten,
sogar von den Freundlichen.
Mit sieben habe ich verstanden.
Man macht Dinge nicht zum Spaß,
dass Malen eine Kunst
und Tanzen eine Leistungssportart war,
dass die wahren Läuferinnen,
die auf dem Siegertreppchen sind
und dass man nur gut in etwas ist,
wenn man irgendwas gewinnt.
Und wenn bei Activity dann jemand sagt,
dass ich gut malen kann,
dann sage ich Ach, Quatsch
und dreh die Sanduhr wieder um
und bin irgendwie kurz traurig,
aber weiss gar nicht wirklich, warum.
und ein Teil von mir wünscht sich bis heute.
Mir hätte nie jemand gesagt,
dass, wenn ich jemanden malte,
es ihm niemals ähnlich sah,
dass ich schon damals beim Ballett
immer aus der Reihe tanzte
und Papa mich gewinnen ließ,
wenn wir um die Wette rannten.
Und wenn mich heute jemand fragt,
was ist der reichste Ort der Welt?
Dann sage ich kein Schloss
und keine Banken voller Geld.
Dann sage ich der Friedhof.
Und wenn dann jemand fragt,
dann sage ich
da liegen Bilder,
die niemals jemand malte.
Da liegen alle Bücher,
die nie geschrieben worden sind,
und Erfindungen,
die nie erfunden wurden,
weil wir einem Kind mit sieben sagen,
dass solche Dinge
immer nur Kinderträume sind.