Donald Trump: Freund oder Feind?

Nach einem Grönland-Schock und der Androhung von Strafzöllen sieht eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger (61%) laut einer Insa-Umfrage in US-Präsident Donald Trump eine Bedrohung für Deutschland.
„Umfragen dienen Medien oft, künstlich ein Thema in den scheinbaren Fokus der Aufmerksamkeit zu spielen“, sagt im Satellit-Interview Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts Vienna.
„Dies bedeutet, dass der genannte Inhalt mit Donald Trump als Bedrohung nicht wirklich jener ist, der den Menschen zentral im Magen liegt. Die Antwort, ob die Deutschen die USA und Trump noch als Verbündete sehen, ist aus der Fragestellung und dem Antwortverhalten nicht abzulesen. Weiters handelt es sich bei derartigen Antworten oft um sozial erwünschtes Antwortverhalten. Das heißt, Menschen reagieren auf die gegebenen Fragestellungen oft so, wie sie meinen, dass es von ihnen erwartet wird.“
Das Faktum der Umfrage, dass die Deutschen Trump als Bedrohung sehen, sei daher nicht überzubewerten, so der Sozialforscher.
„Die Deutschen sehen Trump und die USA nicht mehr oder weniger als Verbündete als zuvor, da sie andere Themen wie die Zukunft ihres eigenen Landes im Kopf haben. Hier stellen Trump und die USA nur peripher eine Agenda dar. Jeder ist aktuell international mit sich selbst beschäftigt.“
Sind die Deutschen von Trumps Europa-Politik wirklich so enttäuscht?
Trump setze, geprägt durch sein Naturell, klare Handlungen und trickse nicht diplomatisch und sozial angepasst herum, antwortet Witzeling.
„Damit tun sich die EU und Deutschland schwer. Die Deutschen haben damit weniger ein Problem. Das aktuelle politische Personal ist, wie man es in zahlreichen Begegnungen zwischen EU-Vertretern und dem US-Präsidenten beobachten kann, überfordert, mit einem derartigen Persönlichkeitstypus effektiv zu kommunizieren. Die Menschen machen sich ihr eigenes Bild und dies weniger über Trump, den sie mögen oder auch nicht, sondern eher über ihre eigenen Volksrepräsentanten.“
Die Weltwoche schreibt: „Trump sagt viel Wahres, darum ist die Empörung so groß.“ Die Aussage sei kurz und knapp und analytisch durchaus richtig, kommentiert der Sozialforscher.
„Trump setzt uns und unseren Schwächen einen Spiegel vor. Wir haben uns in Europa zu lange mit Zeitgeistthemen und Nebensächlichkeiten beschäftigt. Dies hat mit der Ära Trump 2 nun endgültig ein Ende. Wenn man es positiv sehen will, ist der US-Präsident ein Therapeutikum für uns.“
Schützt die US-Armee Europa noch?
Witzeling dazu: „Dies wird davon abhängen, welche strategischen Interessen die USA verfolgen oder ob wir für ihren Schutz zahlen wollen oder können. Donald Trump ist ein Geschäftsmann. Die Frage hätte sich die EU schon viel früher stellen müssen, anstatt im Dornröschenschlaf zu bleiben.“
Die BILD-Zeitung wollte wissen: Sollte die Bundesregierung im Umgang mit Trump (eher) auf mehr Härte oder (eher) mehr Kooperation setzen? Knapp mehr als die Hälfte der Befragten (52%) befürworten einen entschiedenen Kurs gegenüber der Politik des US-Präsidenten. Wie ist es möglich, wenn eine andere Umfrage laut „Politico“ zeigt, dass 74% der Deutschen Trump für einen starken und entschlossenen Staatsmann halten, also positiv bewerten, während nur 26% Merz die gleiche Bewertung geben, also negativ?
Dies sei per se kein Widerspruch, sondern eher eine Projektion einer Wunschvorstellung, sagt der Sozialforscher.
„Weltweit kann man beobachten, dass die Menschen sich nach einem Politikertypus sehnen, der klar und nachvollziehbar handelt und nicht zu viel taktiert oder Phrasen drischt. Die Frage für der Bild-Zeitung lautet aber in einem kybernetischen Systemverständnis: Was passiert, wenn wir nur mehr mit Alpha-Männern zu tun haben. Resultieren dann mehr Kriege?“
„Ein positives Beispiel stellt hier das indische Staatsoberhaupt Narendra Modi dar. Dieser handelt schlau und erfahren und kooperiert international zwischen den USA, Russland, China und anderen, so wie es seinem Volk am meisten dient. Dies ist das Anforderungsprofil eines Staatschefs“, sagt abschließend Daniel Witzeling.