Die angstfreie Organisation

Die angstfreie Organisation

blinkist DE
Amy C. Edmondson

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Was drin ist für dich: Sicherheit am Arbeitsplatz schaffen und Kreativität fördern.

In unserer modernen Wissensgesellschaft braucht es mehr als Fleiß und Dienst nach Vorschrift. Unternehmen sind darauf angewiesen, dass ihre Teams Innovation vorantreiben und über den Tellerrand hinausdenken. Dass sie gemeinsam Probleme lösen und kreativ auf ständig neue Herausforderungen reagieren. Aber gerade diese viel geforderte Kreativität wird oft blockiert.

Und zwar nicht, weil die Menschen nicht kreativ sein können oder wollen, sondern weil sie sich nicht trauen. Viele Mitarbeiter haben Angst vor Fehlern. Davor, etwas Dummes zu sagen und dann von Vorgesetzten vorgeführt oder von Kollegen gehänselt zu werden. So haarsträubend es klingt: In vielen Organisationen herrscht ein Klima, in dem Menschen lieber den Mund halten, als sich einzubringen.

Amy C. Edmondson zufolge liegt das daran, dass ihnen „psychologische Sicherheit“ fehlt. Das Gegenstück dazu ist eine Unternehmenskultur, in der sich Menschen trauen, ihre Meinung zu äußern. In der sie Fragen stellen und Fehler eingestehen können, ohne sich vor negativen Folgen zu fürchten. Wir beleuchten in diesem Blink, warum Beschäftigte mit psychologischer Sicherheit entspannter, kreativer und effizienter arbeiten. Und wir erklären anhand konkreter Beispiele und Tipps, wie du als Führungskraft eine solche angstfreie Lernkultur schaffst.

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Die Angst vor Fehlern führt zu Selbstzensur

Stell dir vor, du sitzt in einem Strategiemeeting. Deine Chefin skizziert die größten Herausforderungen für ein wichtiges Projekt und bittet euer Team um Lösungsvorschläge. Dir fällt auch spontan etwas ein. Ein frischer, unkonventioneller Gedanke. Vielleicht nicht perfekt, aber bestimmt einen Versuch wert. Aber du lässt trotzdem die Hand unten. Du erinnerst dich nämlich daran, wie eine Kollegin letztens für einen etwas abwegigen, aber durchaus spannenden Vorschlag abgewatscht wurde. Und darauf hast du heute keine Lust. Du hältst lieber still, statt etwas Falsches zu sagen und blöd dazustehen.

Dieses Muster ist leider weit verbreitet. Die meisten von uns lernen früh im Leben, sich in bestimmten Gruppensituationen zurückzuhalten: aus Angst vor Ablehnung, Kritik und Spott. Das fängt oft schon in der Schule an: Wer sich aus dem Fenster lehnt oder ausschert, wird schief angeschaut. Und gerade als junger Mensch ist man noch unsicher und will um jeden Preis dazugehören. Also hält man sich zurück.

Diese Selbstzensur verfestigt sich. Darum fahren wir uns auch als Erwachsene selbst über den Mund, bevor es jemand anders tun kann. Im Beruf sieht das dann oft so aus: Wir halten uns mit unkonventionellen Ideen zurück. Wir stellen so wenig Rückfragen wie möglich und melden keine Zweifel an. Nicht weil wir nichts zu sagen hätten, sondern weil wir Angst haben, was andere denken könnten. Eine US-Studie aus dem Jahr 2003 zeigt, wie tief diese Angst sitzt. 85 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht zu trauen, ihre Vorgesetzten auf Probleme am Arbeitsplatz anzusprechen. Der häufigste Grund: Sie wollten nicht negativ auffallen.

Selbst gestandene Persönlichkeiten kämpfen damit. Die Top-Managerin Nilofer Merchant gilt als Innovationsexpertin und hält populäre TED-Talks über Kreativität und Freigeist. Aber auch sie erzählt davon, wie sie bei Top-Firmen wie Apple oft geschwiegen hat, weil sie nichts Falsches sagen wollte. Wir sind lieber angepasst und unauffällig, als sichtbar und angreifbar.

Aber genau diese Selbstzensur ist Gift für jedes Unternehmen, das auf mutige Ideen und offenen Austausch angewiesen ist. Denn wenn niemand den Mund aufmacht, bleibt nicht nur das Potenzial einzelner Menschen auf der Strecke, sondern die Innovationskraft der ganzen Organisation.

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Psychologische Sicherheit macht Teams besser und kreativer

Stell dir vor, du sitzt wieder in dem Strategiemeeting von eben. Nur dieses Mal hast du die innere Gewissheit, dass du für deine kühne Idee weder ausgelacht noch vorgeführt wirst. Im besten Fall wird sie begeistert aufgenommen und im „schlimmsten“ Fall bekommst du konstruktives Feedback. Aber niemand stellt deine Intelligenz oder deinen Wert infrage.

Das ist psychologische Sicherheit. Du spürst, dass du offen sagen darfst, was du denkst. Dass du Fragen stellen und Fehler eingestehen kannst, ohne Spott, Druck oder negative Konsequenzen fürchten zu müssen.

Amy Edmondson lernte dieses Prinzip in den 1990er-Jahren kennen, als sie Behandlungsfehler in Krankenhäusern untersuchte. Zunächst kam es ihr so vor, als machten gute und hochqualifizierte Teams mehr Fehler als Teams mit weniger Talent und Erfahrung. Sie stutzte: Wie war das möglich? Aber dann erkannte sie, dass diese Teams nicht mehr Fehler begingen, sondern offener mit ihren Fehlern umgingen und sie häufiger meldeten. Und genau das war ihre Stärke. So lernten sie gemeinsam aus ihren Fehlern und wurden stetig besser.

Psychologische Sicherheit hilft aber nicht nur, Arbeitsprozesse zu verbessern: Sie gibt Beschäftigten den nötigen Rückhalt, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Eine Studie aus Taiwan von 2012 untersuchte 60 Teams aus dem Bereich Forschung und Entwicklung, die hauptberuflich unkonventionell denken müssen. Das Ergebnis war eindeutig: Wer sich sicher fühlt, ist mutiger und kreativer. Wer Angst hat, seine Ideen zu teilen, bremst damit nicht nur sich selbst, sondern das gesamte Team aus. Der innovationsgetriebene Tech-Riese Google führte 2016 eine ähnliche Studie durch. Der Konzern fühlte 180 Teams auf den Zahn und fand heraus: Die wichtigste Voraussetzung für konstruktive, kreative und erfolgreiche Zusammenarbeit ist psychologische Sicherheit.

Das gilt in der modernen Arbeitswelt umso mehr, wo kulturell diverse Teams über verschiedene Kontinente und Zeitzonen hinweg Projekte betreuen. Das bestätigt auch die Forschung der Wirtschafts-Professorinnen Christina Gibson und Jennifer Gibbs: Psychologische Sicherheit hilft Teams, Probleme nicht nur anzusprechen, sondern sie auch gemeinsam zu lösen. Dadurch entsteht ein Zusammenhalt, der die Gruppe resilienter und erfolgreicher macht.

Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, was passiert, wenn diese Sicherheit fehlt, und wie schädlich das für Unternehmen werden kann.

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Angst kann Unternehmen teuer zu stehen kommen

Angenommen, deine Vorgesetzte stellt in einer Präsentation falsche Zahlen vor. Du merkst es, kennst aber auch ihr kühles und strenges Auftreten. Also sagst du lieber nichts. Warum solltest ausgerechnet du den Ärger abbekommen? Soll doch jemand anderes in die Bresche springen.

Leider glauben noch immer viele Führungskräfte, Angst sei ein Katalysator für gute Leistungen. Dabei führt Druck auf Dauer nicht nur zu Spannungen, sondern zu schwerwiegenden Fehlern, die dann das gesamte Unternehmen in Mitleidenschaft ziehen. Ein extremes Beispiel hierfür ist die Wells-Fargo-Affäre. Noch 2015 galt Wells Fargo als erfolgreichste US-Bank mit vermeintlich überdurchschnittlich guten Verkaufszahlen. Jede Kundin hatte im Schnitt sechs verschiedene Finanzprodukte bei der Bank abgeschlossen. Das war doppelt so viel wie branchenüblich.

Was niemand wusste: Die Zahlen waren das Ergebnis zwielichtiger Verkaufsstrategien. Die Mitarbeitenden standen unter enormem Druck und sollten jedem einzelnen Kunden acht Finanzprodukte andrehen. Die Anforderung des Managements war hoffnungslos überzogen. Aber es kam noch schlimmer. Wer das nicht schaffte, wurde öffentlich bloßgestellt oder entlassen. Und statt sich gegen diesen gewaltigen Druck zu wehren, griffen viele Angestellte zu verzweifelten Maßnahmen: Sie eröffneten ohne Zustimmung der Kunden Nebenkonten und jubelten ihnen versteckte Produkte als Paketlösungen unter. Ganze zwei Millionen solcher Fälle flogen später auf. Die Bank musste Abfindungen in Höhe von 185 Millionen Dollar zahlen und verlor massiv an Vertrauen.

Natürlich führt Angst nicht immer gleich zu handfesten Skandalen. Aber sie verhindert, dass Probleme rechtzeitig erkannt und angesprochen werden. Das zeigte auch der Fall Nokia. In den 1990er-Jahren war der Konzern Marktführer der weltweiten Handybranche. Doch intern traute sich kaum jemand, offen über die wachsende Bedrohung durch Konkurrenten wie Apple und Google zu sprechen. Die Leute verschwiegen technische Mängel und redeten offenkundige Probleme schön. Nokia verpasste den Anschluss und stürzte ab.

Alle diese Beispiele zeigen: Angst mag kurzfristig Leistung erzwingen, aber auf lange Sicht ist sie extrem gefährlich. Wer psychologische Sicherheit schaffen will, muss konsequent gegen Ängste in Bezug auf die Arbeit vorgehen. Und zwar von ganz oben.

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Angstfreie Organisationen sehen Fehler als Fortschritt

„Gib dein Bestes!“ Diesen Ratschlag bekommen wir von klein auf zu hören. Von Eltern, Lehrerinnen, Trainern und kitschigen Kalendersprüchen. Aber wann hat dir zuletzt jemand gesagt: „Mach mal Fehler!“?

Dabei ist genau diese Einstellung der erste Schritt auf dem Weg zu psychologischer Sicherheit am Arbeitsplatz. Wer keine Angst vor Fehlern hat, traut sich, Neues auszuprobieren, Risiken einzugehen und offen über Rückschläge zu sprechen. Die lähmende Furcht vorm Scheitern wird durch spielerische Neugier ersetzt. Aber das funktioniert nur, wenn dieser entspannte Umgang mit Fehlern auch von den Führungskräften vorgelebt wird.

Die Wirtschaftswelt liefert unzählige Beispiele dafür, dass dieser Ansatz funktioniert. Einige der erfolgreichsten Unternehmen gehen locker mit Fehlern um. Zum Beispiel Pixar. Das Filmstudio hat 15 der 50 kommerziell erfolgreichsten Animationsfilme aller Zeiten produziert, mit Blockbustern wie Findet Nemo oder Toy Story. Laut Mitgründer Ed Catmull folgt das Team einer klaren Devise: „Jeder Film ist am Anfang schlecht.“ Das nimmt den Druck raus und macht Mitarbeiter empfänglicher für ehrliches und konstruktives Feedback. Und auch Christa Quarles, CEO der Reservierungsplattform OpenTable, rät ihren Teams: „Scheitert früh und häufig.“ Denn so findet man schneller heraus, was wirklich funktioniert und was nicht.

In den USA erkennen immer mehr Universitäten, wie wichtig Scheitern ist. Renommierte Hochschulen wie das Smith College in Massachusetts bieten mittlerweile Kurse an, in denen Studierende lernen, Fehler nicht als Rückschläge, sondern als Fortschritte zu begreifen.

Dafür muss sich aber auch unsere Vorstellung von Unternehmens- und Mitarbeiterführung ändern. In einer angstfreien Organisation sind Chefs keine allwissenden Kontrolleure, sondern Sparringspartner: Sie geben Richtungen vor, schaffen Raum für Ideen und hören zu. Ein schönes Beispiel dafür ist die Top-Managerin Cynthia Carroll. Sie wollte als CEO des Bergbaukonzerns Anglo American die vielen tödlichen Arbeitsunfälle reduzieren. Statt stur neue Vorschriften zu erlassen, sprach sie vor Ort mit Tausenden Mitarbeitenden. Diese Erfahrungsberichte flossen direkt in neue Sicherheitsrichtlinien ein. Die Zahl der Todesfälle sank in fünf Jahren um 62 Prozent.

Im nächsten Abschnitt erfährst du, wie auch du psychologische Sicherheit fördern kannst, und warum das längst nicht nur Chefsache ist.

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Führung heißt nicht alles wissen, sondern offen fragen

Niemand mag Besserwisser. Und erst recht keine Chefin, die sich verhält, als hätte sie auf alles eine Antwort. Unfehlbare Führungskräfte wirken nicht nur arrogant, sondern auch einschüchternd. Sie machen anderen Angst. Wer alles besser weiß, lässt keinen Raum für andere Ansichten. Und genau das ist das Problem. Denn psychologische Sicherheit entsteht dort, wo sich auch Führungskräfte hin und wieder ratlos zeigen. Wo sie signalisieren: „Ich habe nicht alle Antworten. Was denkt ihr?“

Ein schönes Beispiel dafür ist Anne Mulcahy, die frühere CEO der US-Technologiefirma Xerox. Sie wurde im Unternehmen liebevoll „Master of I don’t know“ genannt – einfach, weil sie kein Problem damit hatte, zu ihrem Unwissen zu stehen. Diese Haltung wirkte ansteckend. Die Mitarbeitenden fühlten sich ernst genommen, brachten sich aktiv ein und halfen ihrer Chefin, den strauchelnden Konzern aus der Krise zu führen.

Aber wer als Führungskraft psychologische Sicherheit fördern will, muss mehr tun, als die Mitarbeiter nach ihrer Meinung zu fragen. Er oder sie muss lernen, offene Fragen zu stellen, die sich nicht einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen. Offene Fragen, die andere zum Nachdenken bringen und der jeweiligen Situation angepasst sind. Du kannst fragen: „Was haben wir bisher übersehen?“, wenn du zum wahren Kern eines Problems vordringen willst. Oder „Was spricht aus deiner Sicht gegen diese Idee?“, wenn du die Perspektive einer Kollegin besser verstehen möchtest. Je gezielter du nachfragst, desto besser können sich deine Leute einbringen.

Hilfreich sind auch formelle Strukturen, die den offenen Austausch ein Stück weit „institutionalisieren“: Fokusgruppen, Workshops oder abteilungsübergreifende Meetings, in denen Feedback ausdrücklich erwünscht ist. Der Lebensmittelriese Danone etwa veranstaltet regelmäßig bereichsübergreifende Konferenzen. Dort können Mitarbeitende Ideen teilen, Probleme offen ansprechen und gezielt um Unterstützung bitten.

Wenn gute Fragen auf ehrliches Feedback treffen, entsteht Vertrauen. Und das ist die beste Voraussetzung für psychologische Sicherheit.

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Konstruktive Reaktionen belohnen den Mut zum Risiko

Stell dir vor, eine Gruppe Grundschüler lernt geometrische Formen. Die Lehrerin zeigt auf ein Dreieck und fragt, wer ihr den Namen der Form nennen kann. Ein Kind ruft mutig „Quadrat!“ – und wird schroff abgewatscht. Glaubst du, dieses Kind wird sich bei der nächsten Frage wieder melden? Wohl eher nicht.

Im Berufsleben ist das ganz ähnlich. Es kostet immer Mut, den Mund aufzumachen und vielleicht danebenzuliegen. Darum ist es so wichtig, dass Vorgesetzte respektvoll mit dieser Offenheit umgehen. Sonst verstummt das Team aus Angst, vorgeführt zu werden.

Hier kommt ein simple, aber effektive Idee für den Anfang: Bedanke dich. Wer mitmacht, eine Antwort gibt oder einen Vorschlag äußert, der wagt etwas. Er oder sie riskiert, danebenzuliegen. Egal, ob das Ergebnis richtig ist – ein ehrliches „Danke fürs Teilen“ kann Wunder wirken. Es signalisiert, dass jeder Beitrag wichtig ist.

Stell dir vor, eine Krankenschwester ist sich unsicher, ob ein Patient wirklich die passende Behandlungsmethode bekommt. Trotzdem zögert sie, ihre Zweifel zu äußern. Sie hat nämlich wiederholt miterlebt, dass der zuständige Oberarzt bei kritischen Nachfragen barsch reagiert. Nehmen wir aber weiter an, sie traut sich trotzdem und der Arzt sagt erst einmal: „Danke, dass Sie das ansprechen“, bevor er sein Vorgehen erklärt. Dann fühlt sich die Schwester ernst genommen und traut sich beim nächsten Mal wieder, berechtigte Zweifel anzubringen.

Das lässt sich auch auf den Umgang mit Fehlern übertragen. Wer mutig etwas Neues ausprobiert und damit scheitert, der braucht Trost und Aufmunterung, und keine Schelte. Das Pharmaunternehmen Eli Lilly feiert gescheiterte Experimente sogar mit kleinen Partys. Immerhin haben alle etwas dazugelernt und können ihre Ressourcen auf die Suche nach besseren Lösungen konzentrieren.

Aber Achtung: Nicht alle Fehler lassen sich als Fortschritt ausdeuten. Wer fahrlässig handelt, etablierte Abläufe ignoriert oder bewusst gegen Regeln verstößt, muss die Konsequenzen spüren. Das kann eine Verwarnung, eine Extra-Schulung und im Extremfall sogar die Kündigung bedeuten. Entscheidend ist, dass deine Reaktion fair und nachvollziehbar bleibt. Dann stärkt sie das Vertrauen deines Teams und damit auch die psychologische Sicherheit.

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Psychologische Sicherheit ist nicht nur Chef- sondern auch Teamsache

Was würdest du tun, wenn du für einen Tag die Welt regieren dürftest? Die meisten von uns hätten da direkt ein paar gute Ideen. Dagegen haben wir im Alltag oft das Gefühl, dass wir keine Autorität besitzen, um auf den Lauf der Dinge einzuwirken. Diese Ohnmacht spüren viele auch im Job: „Ich bin doch nicht die Chefin. Was soll ich schon verändern?“

Entsprechend könntest du als Angestellte denken, du könnest wenig oder gar nichts zur psychologischen Sicherheit in deiner Organisation beisteuern. Aber die gute Nachricht lautet: Du brauchst keine leitende Funktion, um deinen Beitrag zu einem angstfreien Arbeitsklima zu leisten. Kleine Schritte haben da oft große Wirkung.

Fang damit an, deinen Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, dass du ihre Meinung schätzt. Frag sie gezielt nach Feedback oder Erfahrungswerten, gerade in Meetings oder Gruppen, in denen sich manche sonst kaum zu Wort melden. Muntere sie mit dem richtigen Fingerspitzengefühl persönlich auf, sich einzubringen: „Was meinst du dazu, Alex?“ So entsteht ein Klima, dem sich auch andere trauen, laut zu denken.

Genauso wichtig ist, dass du anderen wirklich zuhörst. Und zwar nicht nur dann, wenn du selbst etwas wissen willst, sondern gerade dann, wenn du anderer Meinung bist: Hör deinem Gegenüber aufmerksam zu. Signalisiere, dass du seine Perspektive ernst nimmst, und knüpfe im besten Fall direkt an seine Idee an. So vermittelst du, dass du seinen Beitrag als wertvoll erachtest, auch wenn du es vielleicht anders gemacht hättest.

Und trau dich, zu Fehlern oder Unsicherheiten zu stehen. Vermeintlich unfehlbare Kollegen schüchtern ein. Also sag offen, wenn du Hilfe brauchst, etwas nicht weißt oder einen Fehler gemacht hast. Sätze wie „Ich hab da was übersehen“, „Was würdest du tun?“ oder „Ich komme da nicht weiter, kannst du mir helfen?“ stärken die psychologische Sicherheit. Sie signalisieren, dass es im Team nicht ums Rechthaben geht, sondern um Zusammenarbeit.

So entsteht Stück für Stück ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle trauen, sich zu zeigen. Und das ist die beste Grundlage für gemeinsames Lernen und richtig gute Arbeit.

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Fazit

Psychologische Sicherheit ist kein Luxus, sondern die Grundlage für kreative Ideen, mutige Entscheidungen und echtes Teamwork. Wer sich sicher fühlt, traut sich, den Mund aufzumachen, Kritik zu äußern und über den Tellerrand hinauszudenken. Er oder sie nimmt Fehler in Kauf, ohne sich vor negativen Folgen zu fürchten. Und genau diese offene Einstellung brauchen moderne Unternehmen, um flexibel und innovativ zu sein.

Die Verantwortung für dieses Klima liegt nicht nur bei Führungskräften. Auch Kolleginnen und Kollegen können die Arbeitsatmosphäre beeinflussen: durch echtes Interesse, aktives Zuhören und den Mut, sich fehlbar und verletzlich zu zeigen. Wer sich sicher fühlt, versteht Feedback nicht als Pauschalangriff, sondern als Einladung. Und dann entsteht ein Umfeld, in dem alle Beteiligten voneinander lernen und gemeinsam wachsen können. Eine angstfreie Organisation ist nicht vor Konflikten gefeit. Aber die Mitarbeitenden haben den Raum, offen, sensibel und konstruktiv mit Problemen umzugehen.

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