Das Bildnis der Victorian Grey
Sven LiebichKunst oder nicht Kunst? Das ist hier die Frage...

Bei der Frage, die sie heute zu entscheiden haben, geht es nicht um Annetta Kahane, bei der Frage geht es darum, ob es sich hier um Kunst handelt und was diese darf.
Vorab zur letzten Argumentation der Gegenseite. Ich persönlich und auch ausdrücklich die Firma bei der ich bis 31.12.2019 Geschäftsführer war, werde sowohl durch Frau Anetta Kahane und die Vereins-Firma, bei welcher sie Geschäftsführerin ist, die hauptsächlich durch jährlich Millionen Euro steuerfinanzierte „Antonio-Amadeo-Stiftung“ (im Folgenden AAS) diskreditiert.
Die AAS betreibt ein hochfrequentiertes Internetportal namens Belltower News zur Generierung von Spenden (Gewinnerzielungsabsicht). Ich und mein Arbeitgeber wurden auf dieser Internetseite seit Jahren teilweise mehrfach im Jahr Opfer derer Schmutzkampagnen.
Seit 2017 hat die Antragsgegnerin und die millionenschwere Firma von ihr mit der oft hetzerischen Berichterstattung über mich und die Firma, bei welcher ich angestellt bin, ungeachtet der vom Steuerzahler bereitgestellten Millionen Euro bereits Tausende Euro zusätzlicher sogenannter „Spendeneinnahmen“ generiert. Jeder Artikel der staatsfinanzierten „Antonio Amadeo Stiftung“ ist mit dem Bettelvermerk: „Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende! Schon 1 € hilft.“ versehen. Verlinkt ist direkt die Kontoverbindung der AAS. Mit einem Schieberegler kann man die zu spendende Summe von einem Euro bis in die Unendlichkeit erhöhen. Mir ist klar, dass die AAS als „gemeinnütziger Verein“ offiziell keinen Gewinn als solchen erwirtschaftet, da entsprechend Rücklagen und Gewinnvorträge gebildet und/oder die Betriebsausgaben in Höhe von Personalkosten einfach erhöht werden.
Die Hetz-Artikel gegen meine Person erschienen z. B. am:
19. Mai 2017 - dort mit direkter Nennung der GmbH (mein Arbeitgeber)
7. August 2018
19. November 2018
22. Juli 2019 (immer mit Spendenerzielungsabsicht auf meine Kosten, bzw. der Kosten meines Arbeitgebers)
Zuletzt am 16. Januar 2020 (Autorin ist meist eine gewisse Kira Ayyadi, welche in Halle Politwissenschaften studierte, weshalb ich davon ausgehe, dass es sich schon um einen persönlich motivierten Feldzug gegen meine Person unter der Schirmherrschaft von Anetta Kahane handeln könnte)
Vier Artikel davon erschienen vor Erscheinen des streitgegenständlichen Kunstwerkes am 29. August 19. Hier möchte, wenn wir überhaupt gedanklich soweit kämen, auf das „Recht auf Gegenschlag“ hinweisen.
Die Gewinnerzielungsabsicht ist bei diesem einzelnen Produkt völlig in den Hintergrund zu stellen, da der potentiell zu erreichende Gewinn, selbst bei vollständigem Abverkauf aller 2500 hergestellten Aufklebern zu je 6,6 Cent bzw. 6,66 € der 25 x 100er Packs und einem Umsatzpotential von 166,50 € (inklussiv Mehrwertsteuer) keine 50 € ausmacht. Alle angebotenen Nebenprodukte, welche die Gegnerin ausführt, sind nur rein hypothetisch, wurden nie vorab produziert und es ist auch nur schwer vorstellbar, dass sich ein Kunde seinen Morgenkaffee aus einer Tasse mit diesem Angst einflößenden Gesicht genehmigen würde. Die Zusatzangebote sind nur eine Standardeinstellung innerhalb dieses Shopsystems und würden im Ernstfall erst bei Bedarf und Bestellung gefertigt werden. Also wir reden bei dem Aktuellen Motiv von einem Gewinn, der in Summe 100 € nur schwer übersteigen dürfte.
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Entgegen der Ausführungen der Gegenseite, hat mein Arbeitgeber, die GmbH niemals einen sogenannten „Politmaden-Kalender“ beworben oder vertrieben. Ein solcher Kalender als Produkt ist mir überhaupt nicht bekannt. Dies ist eine Lüge, um meinen Arbeitgeber in die Nähe von Verfassungsschutzberichten zu rücken, in welchen die GmbH niemals erwähnt wird.
Die Gegner führen aus, dass mit dem Hinweis, „Wer meinen Arbeitsplatz sichern will, wird bei meinem Arbeitgeber fündig, jeder Kauf hilft“ ein in erster Linie wirtschaftliches Interesse belege. Sie erinnern sich an den Satz auf den Seiten der „gemeinnützigen) AAS unter JEDEM Beitrag? „Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende! Schon 1 € hilft.“ Wenn dieser Satz laut der Gegnerin ein in erster Linie wirtschaftliches Interesse belegt, solle doch schnellstens die Gemeinnützigkeit der AAS in Gänze hinterfragt werden.
Es ist eine weitere Lüge der Gegnerin, dass der Shop meines Arbeitgebers derzeit über Youtube durch vertriebene Gesichtsmasken beworben würde. Diese vertreibe ich aktuell eigenverantwortlich über ein eigens gegründetes Einzelunternehmen, welches, da in der kostenintensiven Gründungsphase befindlich noch überhaupt keine Gewinne abwirft. Die Firma meines Arbeitgebers, bei welchem ich immer noch halbtags als Druckhelfer angestellt bin, hat sich nicht nur von mir als Geschäftsführer getrennt, sondern auch mangels Rentabilität von der gesamten Palette provokanter politisch-satirischer Produkte.
In dem streitgegenständlichen Kunstwerk und dem Angebot zum Erwerb von niedrigpreisigen Repliken dieses (zu je knapp 7 cent) wurde Annetta Kahane mit bürgerlichem Namen niemals genannt. Wenn sie sich in diesem stilistisch verzerrten Bildnis wiedererkennt, sagt das weniger über die Realitätsnähe der Zeichnung aus, mehr jedoch über ihr innerstes ich.
Die Deutsche Wikipedia kennt Annetta Kahane. Wie sie natürlich jede relative Person des öffentlichen Interesses kennt. (MICH übrigens NICHT!)… Ihre 8 jährige Tätigkeit für die Staatssicherheit, einem Überwachungs- und Unterdrückungsapperat des DDR-Regimes wird auf der deutschen Wikipedia-Seite zumindest beiläufig erwähnt. Die englische Wikipedia ist in der Berichterstattung über Kahanes StaSi-Tätigkeit zumindest umfangreicher. Einzige Verbindung des streitgegenständlichen Kunstwerkes zu Annetta Kahane ist das im Titel verwendete Wort „Victoria“, welches gleichzeitig auch ihr selbst gewählter Spitzelname, unter welchem sie als IM geführt wurde, gewesen ist. Dieser dürfte jedoch kaum einem Bundesbürger, zumindest keinem Promille der Bundesbürger bekannt sein, auf dass das Ansehen von Annetta Kahane durch bloße Nennung ihres Spitzelnamens überhaupt nicht geschädigt würde. Möglicherweise hat sie sich im Beschreibungstext selbst wieder erkannt:
„Eine alte StaSi IM entscheidet darüber, was Ihr auf XXXXXX und was nicht.“
Ich zitiere den Tagesspiegel:
„Kahane habe später erklärt, vom Ministerium für Staatssicherheit unter Druck gesetzt worden zu sein - "was laut Akten nicht stimmt". Es sei daher unverständlich, warum das Bundesjustizministerium ausgerechnet Anetta Kahanes Stiftung für eine "sensible Aufgabe wie die Kontrolle des Internets" herangezogen habe. "Es wäre gut beraten, die Zusammenarbeit mit ihr zu beenden." Kahane hatte 1998 die gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus engagierte Stiftung gegründet.“ Tagesspiegel vom 13.12.2016 –
Also das öffentliche Interesse um Anetta Kahane ist hochaktuell gerade im Hinblick ihrer Tätigkeit innerhalb einer Taskforce, welche sich hauptsächlich um die Möglichkeiten der Überwachung und Zensur des Internets beschäftigt. Dies schließt sogar nahtlos an ihre ehemalige IM-Tätigkeit an.
„Eine alte StaSi IM entscheidet darüber, was Ihr auf XXXXXX was nicht.“
Sie selbst bezeichnet es zwar als „Mythos“, räumt aber ebenfalls im Tagesspiegel bereits am 6.9.2016 ein: „„Wir treffen uns ein- bis zweimal mal jährlich mit Facebook und dem Justizministerium, falls sie zum Gespräch einladen.“ Eine direkte Zusammenarbeit finde nicht statt, man gebe nur Einschätzungen ab. Zudem sei die AAS innerhalb der „Task Force“ nur eine von mehreren Organisationen gewesen.“
Anetta Kahane ist nicht durch ihre StaSi-Tätigkeit allein eine Person des öffentlichen Interesses, sondern durch ihre heutige als Geschäftsführerin einer solch exponierten und staatlich mit Millionen geförderten Firma. Als solche führte sie auch höchstpersönlich am 19.3.2016 z. B. einen Schreimob von Hunderten aufgepeitschten „Antifa-Anhängern“ mit an, welcher das Ziel hatte, die Präsenz eines ihnen nicht genehmen Buch- und Zeitschriften Verlages auf der Leipziger Buchmesse zu verhindern. Davon gibt es Videodokumentationen auf dem Google-Portal Youtube.
Ich finde die Argumentation der Gegenseite recht fraglich, dass eine 8-jährige Tätigkeit für die Staatssicherheit auf Grund eines imaginären „Recht auf Vergessen“ nicht mehr thematisiert werden dürfe, weil die Stasi-Tätigkeit schon 40 Jahre (genau genommen 38) zurück läge. Dann frage ich mich, warum mir Annetta Kahane, dieses „Recht auf Vergessen“ nicht einräumt, wenn sie teilweise mehrfach im Jahr über mich und meine angebliche 3-jährige Zugehörigkeit zu einem nichtoffiziellen Verein namens „Blood and Honour“ auf ihren Seiten verbunden mit Spendenerzielungsabsicht berichtet. Auch öffnet diese Argumentation eines „Recht auf Vergessen“ von offiziellen Helfern (hier die DDR-Staatssicherheit) eines Unrechtsregimes Tür und Tor für Geschichtsrevisionisten aller Art im Hinblick auf die Geschichte des Dritten Reiches.
Die Gegnerin führt abschließend an, dass nur das NetzDG darüber entscheiden würde, was auf Facebook und Co gelöscht würde und was nicht. Auf Grund von vielen Urteilen in der Vergangenheit, welche die Zensur auf Facebook und Co per Richterbeschluss rückgängig machten, wissen wir, dass dahinter eben Menschen und Organisationen stehen, die eine bestimmte politische Willensbildung mit diesen Löschorgien vorantreiben wollen. Und das in einem Großteil der Fälle ungerechtfertigt. Und Annetta Kahane mit ihrer Stiftung ist in diesem Zensurgetriebe ein sehr großes Zahnrad.
Und das führt uns abschließend zu der Frage, ist das Bildnis Kunst oder nicht? Die Gewinnspanne darauf ist mit bis zu maximal 100 € eher marginal zu bewerten und steht nicht im Vordergrund. Ein Kunstwerk muss nicht einmal einen informellen oder bildenden Sinn ergeben. Aber dieses Kunstwerk verbindet alles. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Es ist das Bildnis der Victorian Grey, in welcher sich Annetta Kahane selbst wiederzuerkennen glaubte. Es zeigt ihr ihre Vergangenheit als StaSi IM, die Gegenwart als Vorsitzende Helfershelferin einer mit Millionen geförderten Zensurorganisation, welche meiner Meinung nach das Prädikat „gemeinnützig“ zu völligem Unrecht erhalten hat. Es zeigt die düstere Zukunft einer Diktatur. Und wenn sie dieses Bild, dieses Kunstwerk jetzt auf den Scheiterhaufen der Bilderverbrennung werfen, indem sie es nicht vordergründig als Kunst anerkennen, beweisen Sie lediglich, dass wir längst in dieser Diktatur, vor welcher dieses Kunstwerk warnt, angekommen sind.
Danke für Ihr Zuhören