DIE STRATEGIE DER USA: KEIN BERLIN–MOSKAU

DIE STRATEGIE DER USA: KEIN BERLIN–MOSKAU
Hans-Werner Sinn legt mit „Trump, Putin und die Vereinigten Staaten von Europa“ eine geopolitische Analyse vor, die die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte in einen größeren strategischen Zusammenhang stellt.
️ Sein zentraler Befund: Die zunehmende Distanz zwischen Europa und Russland ist kein Zufall der jüngsten Politik, sondern folgt einer langfristigen strategischen Linie der USA.
Die Wolfowitz-Doktrin
Bereits 1992 wurde in Washington formuliert, dass die USA jede Machtkonstellation verhindern müssten, die ihre Vormachtstellung in Eurasien gefährden könnte.
️ Eine enge wirtschaftliche Kooperation zwischen Russland – reich an Rohstoffen – und Deutschland – stark im verarbeitenden Gewerbe – hätte einen eigenständigen eurasischen Wirtschaftsraum entstehen lassen. Eine solche Konstellation hätte das strategische Gleichgewicht verschoben.
Die Ukraine als geopolitischer Schlüsselraum
In diesem Kontext ordnet Sinn die Rolle der Ukraine ein: als strategisches Bindeglied – oder Trennlinie – zwischen Russland und Westeuropa.
Er verweist auf:
die NATO-Osterweiterung
die Stationierung von Raketenabwehrsystemen in Osteuropa
den Rückzug der USA aus Rüstungsverträgen
die politische Unterstützung von Umbrüchen im postsowjetischen Raum
️ Diese Schritte ergeben in seiner Analyse eine geopolitische Linie, die Russland zurecht als systematische Zurückdrängung wahrnahm.
Verpasste Friedensoption in den 1990er-Jahren
In den 1990er-Jahren befand sich Russland wirtschaftlich und politisch in einer Phase großer Schwäche. Laut Sinn bestand damals die Möglichkeit, das Land in eine neue europäische Wirtschafts- und Sicherheitsordnung einzubinden.
Diese Chance wurde nicht genutzt – stattdessen verfestigte sich eine Konfrontationslogik.
Nord Stream und wirtschaftliche Interessen
Auch die Energiepolitik betrachtet Sinn als strategischen Faktor. Eine stabile Energiekooperation zwischen Russland und Deutschland hätte Europas wirtschaftliche Eigenständigkeit gestärkt.
Das wussten die USA jedoch zu verhindern.
Fazit
Sinn zeichnet ein Bild langfristiger strategischer Interessenpolitik. „America First“ erscheint dabei nicht als spontane Idee der Trump-Ära, sondern als Fortsetzung einer Linie, die bereits in den frühen 1990er-Jahren formuliert wurde.
Das Buch liefert eine machtpolitische und ökonomische Einordnung, die das in den Leitmedien vorherrschende Narrativ infrage stellt. Erstaunlich und lobenswert, dass der Herausgeber der ostbayerischen Zeitungsgruppe IDOWA dies auf einer ganzen Seite offen und sachlich darstellt.
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Quelle: Telegram "MeineDNEWS"