Beschwerde gegen die Social Media Redaktion des #SRF 

Beschwerde gegen die Social Media Redaktion des #SRF 

@marcelsardo

anlässlich der Ausstrahlung der Sendung 

«Begegnung mit Marcel Sardo – Ein Schweizer Twitter-Scharfschütze in Russland» und des dazugehörenden schriftlichen Online-Beitrag  – «Echo der Zeit» vom 20.10.2017 

https://www.srf.ch/news/amp/article/14008241

eingereicht an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI


SRF «Echo der Zeit» vom 20.10.2017



Sehr geehrte Damen und Herren 


Am 20.10.2017 wurde in der Sendung «Echo der Zeit» ein Radiobeitrag über mich ausgestrahlt, produziert von David Nauer, den ich zuvor in Sankt Petersburg zu einem Interview-Gespräch traf. Gegenstand meiner Beschwerde ist weder die Sendung noch der dazugehörende Online-Textbeitrag. 

Im Sinne einer wohlwollenden Eröffnung meiner Beschwerde beurteile ich den Beitrag von David Nauer so, wie ich bisher alle Beiträge beurteilt habe, die über mich in diversen Medien erschienen sind: Es hätte schlimmer sein können. 

Selbst die notorisch anti-russische New York Times hat mich kürzlich in einer Erwähnung mit bemerkenswerter Milde angefasst. 

Lediglich die plakative Schlussfolgerung seitens Herrn Nauer, ich würde "in einer Blase leben", sehe ich so jedoch etwas voreilig gezogen. Durch meine Erfahrungen mit den Massenmedien und dem Wissen, das ich mir zum besprochenen Themenkomplex angeeignet habe, lässt mich die Frage, wer hier tatsächlich in einer Blase lebt grundsätzlich neu aufwerfen. Aber diese Frage ist naturgemäss nicht abschliessend zu beantworten.


Gehen wir also über zu dem eigentlichen Adressaten meiner Beschwerde: Der Social Media Abteilung des SRF, die, ihrem Auftrag entsprechend, den SRF Beitrag über Social Media Kanäle einem breiteren Publikum zugänglich gemacht hat, auf Twitter in Form dieses Tweets: 


Quelle: https://twitter.com/srfnews/status/921473774771417088


Der Tweet bezeichnet meine Person mit den Worten «Überzeugungstäter» und «Russland-Troll» – dies nicht etwa mit einem Fragezeichen versehen, was die Kategorisierung meiner Person ergebnisoffen gelassen hätte – sondern als belegte undifferenzierte Tatsache, die jeden Leser und Zuhörer mit einer vorgefertigten Meinung über mich in den Artikel, bzw. in den Hör-Beitrag entlässt.


Aber der Reihe nach: 


Ein Troll, auch Trold, Tröll (nordgermanisch „Unhold“, „Riese“, „Naturwesen“), war ursprünglich ein Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen übernatürlichen Wesen, häufig ein schadenbringender Riese der nordischen Mythologie, ähnlich den Thursen und Jöten. (Wikipedia)


Wenn sich also jemand erlaubt, eine andere Meinung ins Feld zu führen, als die allgemein vorherrschende, ist es dann Usus bei bei der Social Media Redaktion des SRF, dieser Person als erstes ein unappetitliches Etikett – hier: Troll – anzuhängen? Es ist also kein denkendes menschliches Wesen mehr, kein Individuum, mit dem Recht sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch kund zu tun, sondern eine Kreatur, ein Unhold oder ein schadenbringender Riese?

Verschärfend kommt hinzu, dass im Beitrag von David Nauer nirgends behauptet wird ich sei ein «Troll». Lediglich die Frage wurde gestellt ob ich "einer dieser Internet-Trolle, die für ihr digitales Treiben vom Kreml Geld bekommen?" sei. 

Meine Antwort darauf war unmissverständlich:

«Ich mache es gerne, ich bekomme aber keine Kopeke dafür. Diese Vorstellung, dass wir dafür bezahlt werden, ist absolut lächerlich.»


Nachzulesen auch im eben erschienenen Buch von Phil Butler - Putin's Praetorians: Confessions of the Top Kremlin Trolls


https://www.amazon.com/Putins-Praetorians-Confessions-Kremlin-Trolls-ebook/dp/B076SS88CP/


In diesem Buch komme auch ich zu Wort und habe, zusammen mit vielen anderen, meine Motivation für mein Tun dargelegt (und zu meiner Freude heute festgestellt, dass unter meinen Mitstreitern noch ein weiterer Schweizer Landsmann ist). 


Woher nimmt sich die Social Media Redaktion des SRF das Recht heraus, eigenmächtig einen völlig anderen Sachverhalt in einen Tweet hineinzuinterpretieren, eine Frage des Autors in eine Tatsachenbehauptung und die Bezeichnung «Internet-Troll» in «Russland-Troll» umzuwandeln?


Jetzt ersetzen wir mal das Wort TROLL mit JUDE und ich denke, meine Damen und Herren, Sie verstehen worauf ich hinaus will. Ich überlasse es dabei gerne Ihnen, sich den passenden Antagonisten auszusuchen, den sie in dieser Analogie spielen möchten. Mir persönlich fällt spontan „Der Stürmer“ ein.


Nun könnte man argumentieren, dass die systematische Vernichtung von 6 Millionen Juden und die „Jagd“ auf „Internet-Trolle“ nicht zu vergleichen sei. Könnte man. 

Man könnte aber auch argumentieren, dass sich hier eine Geisteshaltung breit macht, auf deren Boden - hier speziell auf dem Boden des SRF - jemand, der als „Troll“ identifiziert wurde, einfach zu Schaden gebracht werden kann – was in meinem Fall sogar passiert ist.

Denn schliesslich sind viele von diesen „Trollen“ laut der Social Media Redaktion des SRF zudem auch noch «Überzeugungstäter» – und gehören TÄTER nicht hinter Schloss und Riegel? 

Verschärfend kommt hinzu, dass im Artikel von David Nauer die Bezeichnung «Überzeugungstäter» nirgends vorkommt. 


Inwieweit hat die Social Media Redaktion des SRF die Kompetenz, eine völlig neue Interpretation des Inhalts eines Artikels und Hör-Beitrags zu konstruieren, um diesen in einer Weise zu bewerben, die dem Empfänger der Botschaft bereits eine vorgefertigte Meinung mit negativer Konnotation einpflanzt? 


Ich habe mir nach langen Jahren des Engagements in sozialen Medien eine gewisse „Altersmilde“ angeeignet und bin geneigt davon auszugehen, dass es sich beim zuständigen Redakteur nicht um einen altgedienten Profi handelt. Vielleicht hat er (oder sie) auch noch nicht die Fähigkeit entwickelt eine knackige Headline in 140 Zeichen sattelfest zu formulieren (weshalb es sich, aus meiner Erfahrung heraus, in jedem Fall empfiehlt, für solch einen Job einen Werbetexter, abgehalftert oder nicht, zu engagieren). 

Wahrscheinlich noch jung, vermutlich rekrutiert aus den Überbeständen diverser Gratis-Postillen und noch nicht mit den Sensorien ausgestattet, die es ihm (oder ihr) erlaubt hätte zu beurteilen, was diese Wortwahlen - im Namen des SRF notabene – für Konsequenzen haben können. 


Vielleicht handelt es sich bei der Person um die selbe Person, die am 12.10.2017 folgenden Tweet veröffentlicht hat:


Quelle: https://twitter.com/srfnews/status/918528416357416961



Ein Tweet der, obschon ich darauf hingewiesen hatte, seltsamerweise bis heute (30.10.2017) noch online ist


Quelle: https://twitter.com/marcelsardo/status/918559197612118017


Doch sowohl die (vermutete) Jugendlichkeit und Unerfahrenheit des Redakteurs oder der Redakteurin, als auch der schlampige, oben stehende Tweet wären für mich keine Entschuldigung, sondern ein Grund zu noch mehr Alarmismus, dient doch der Vorfall eher als ein weiterer Beleg dafür, dass man es in der Social Media Redaktion beim SRF bisweilen weder genau nimmt, noch irgendeine Form von Qualitätsprüfung vorherrscht, gegebenenfalls auch einen Mangel an Teamführung und Organisation. 


Das kann ich als Aussenstehender natürlich alles nicht im Detail beurteilen, aber der oben geschilderte Vorfall, gekoppelt mit dem Gegenstand meiner Beschwerde, gibt mir am 4. März 2018 nicht den geringsten Grund nicht ein herzhaftes #NoBillag in die Wahlurne zu legen. 



In Erwartung Ihrer zeitnahen Stellungnahme zu meiner Beschwerde, verbleibe ich mit freundlichen Grüssen aus Sankt Petersburg. Bitte beachten Sie die in der Email aufgeführte Korrespondenzadresse. 


Marcel Sardo – pro-russischer Social Media Aktivist und Medien-Scharfschütze

@marcelsardo


PS:

Falls die Frage aufkommen sollte, was ein «Medien-Scharfschütze», ein «Media-Sniper» ist – jemand der euch auf die Finger haut, immer dann wenn ihr es verdient habt. Und das ist mittlerweile so gut wie täglich.